Kindstötung : Mann schlägt Baby auf den Boden

Bei einem Familiendrama in einer Reinickendorfer Mutter-und-Kind-Einrichtung hat ein 41-jähriger Mann am Freitagmorgen sein sieben Monate altes Baby getötet.

Tanja Buntrock
familientragödie Foto: Uwe Steinert
In dem Reinickendorfer Heim passierte die Familientragödie. -Foto: Uwe Steinert

Während des Streits mit seiner ehemaligen Freundin hatte er seine kleine Tochter mehrmals auf den Boden der Mutter-und-Kind-Einrichtung in Reinickendorf geworfen. Das Mädchen starb an seinen schweren Verletzungen. Die 31-jährige Mutter stand unter Schock und wurde von einem Notfallseelsorger betreut. Die Polizei nahm den Vater des Kindes noch am Tatort fest. Der bereits wegen Körperverletzung vorbestrafte Mann wird heute einem Haftrichter vorgeführt.

Die ermittelnden Beamten der Mordkommission sprachen am Tatort von einem „außerordentlich schrecklichen Vorfall“. Nach ersten Erkenntnissen ist Philipe B., ein Franzose, um kurz vor 10 Uhr in die Einrichtung des Diakonischen Werks gekommen. Er hatte einen „regulären Besuchstermin“, wie die Leiterin des Mutter-und-Kind-Hauses, Katlin Gollovitzer, sagte. Denn hier handele es sich ausdrücklich nicht um ein Frauenhaus, sondern um eine betreute Wohneinrichtung für Frauen mit ihren Kindern, die vorübergehend getrennt von ihrem Partner leben. Die Väter dürfen hier – vorausgesetzt, das Jugendamt stimmt zu – ihre Kinder besuchen. Im Gegensatz zu Frauenhäusern, wo Frauen spontan Zuflucht finden vor ihren gewalttätigen Partnern und deren Adressen geheim gehalten werden.

In dem Mutter-und-Kind-Heim in der Nimrodstraße gibt es drei Einzelappartements für Frauen mit ihren Kindern. In dem Appartement der 31-Jährigen geriet Philipe B. mit seiner ehemaligen Freundin, einer Deutschen, in Streit. Worum es dabei ging, konnte die Polizei gestern noch nicht sagen. Er soll zunächst seine Ex-Freundin angegriffen haben, die dabei leicht verletzt wurde. Dann eskalierte die Situation. Plötzlich soll er ihr seine Tochter Amelie-Celin entrissen und den Säugling mehrfach auf den Boden geworfen haben. „Wir hörten im Appartement Lärm. Der stellvertretende Leiter eilte herbei“ beschreibt Katlin Gollovitzer. Auch ihr Stellvertreter wurde von dem Mann angegriffen und leicht verletzt. Noch am Tatort gelang es den alarmierten Polizisten, Philipe B. festzunehmen.

Die Mutter lebt seit einem halben Jahr in der Wohneinrichtung. „Es gab unter anderem auch partnerschaftliche Probleme. Deswegen hat das Jugendamt ihr den Platz vermittelt“, sagte der Jugend- und Familienstadtrat Andreas Höhne (SPD). In den vergangenen Wochen habe es wieder Kontakt zu dem Vater des Mädchens gegeben. „Er konnte es alle zwei Wochen besuchen und durfte es auch alleine betreuen. Dabei hat es bislang keinerlei Probleme gegeben. Die Mitarbeiterinnen berichteten, dass er fürsorglich mit der Tochter umging“, schilderte Höhne. Auch sei es während des halben Jahres nie zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Doch dass es öfter Streit gab zwischen den Eltern, wollte Höhne nicht bestreiten. Was die Hintergründe der „partnerschaftlichen Probleme“ waren und warum sich die Frau im August vorigen Jahres entschlossen hatte, in die Einrichtung zu ziehen, kommentierte Höhne nicht. Auch, ob Philippe B. seine Ex-Freundin bereits in der Vergangenheit in der gemeinschaftlichen Wohnung in Reinickendorf verprügelt hatte, wollte Höhne nicht bestätigen.

Philipe B., der in der Nähe von Paris geboren wurde, lebt schon seit mehreren Jahren in Deutschland. Bei der Polizei ist er bereits aktenkundig: Neben mehreren kleineren Delikten ist dort auch eine Vorstrafe wegen Körperverletzung verzeichnet. Nach Tagesspiegel-Informationen soll er im November 2005 zunächst mit einem Bekannten in dessen Wohnung Alkohol getrunken und den Mann dann im Streit verprügelt haben.

Dem Stadtrat sind nach seiner Aussage solche Gewaltakte nicht bekannt. Höhne sagte, dass das Jugendamt einen Hilfeplan für die Frau erarbeitet habe. Darin sei vorgesehen gewesen, dass sie in Kürze eine eigene Wohnung bezieht und Philipe B. ein reguläres Besuchsrecht für seine Tochter bekommt. „Das hat der Vater auch gewusst. Diese Information war nicht neu für ihn“, sagte Jugend- und Familienstadtrat Höhne. Tanja Buntrock

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