Berlin : Kinneret und der Schlüssel zum Frieden

Im Schloss Bellevue sammelten die Freunde des Chaim Sheba Hospitals, und Christina Rau feierte in ihren Geburtstag hinein

Elisabeth Binder

Chaim-Sheba-Gala im Schloss Bellevue. Im ersten Salon das Defilee der Damen und Geldmächtigen, die für das gleichnamige israelische Hospital sammeln und spenden: Ann Katrin Bauknecht, Mania Feilcke, der israelische Botschafter Shimon Stein...

Im hintersten Salon steht eine Frau vor den Bildern, die versteigert werden sollen. Sie trägt ein langes Abendkleid und hat lustige Locken. Langsam dreht sie sich um und verursacht einen kleinen Schock. Ihr Gesicht ist nicht das der üblichen Gala-Gäste. Ihr Gesicht erzählt eine Geschichte, die erschreckt, obwohl man sie eigentlich kennt. Es erzählt von einem Samstag vor zwei Jahren, als ein Selbstmord-Attentäter in einem Coffee-Shop in Tel Aviv eine Bombe zündete. Dabei verlor sie ein Auge und die Hälfte ihrer Lunge, 60 Prozent ihres Körpers wurden zerstört. Die 23-Jährige erzählt das beim Empfang nach der Auktion und will wissen, wie das Video über ihr Schicksal angekommen ist. „Das habe ich selber gemacht“, sagt sie stolz. Sie heißt Kinneret Boosany wie der See Genezareth, der in Israel „Lake Kinneret“ heißt.

„Das ist der See, über den Jesus zu Fuß gelaufen ist“, fügt die Israelin zwischen zwei Gabeln Flusskrebsen erklärend hinzu. Sie erzählt von ihren kleinen Hunden, Victor und Linda, mit denen sie gern am Strand von Tel Aviv spazieren geht und die nachts in ihrem Bett schlafen dürfen und die Tränen von ihrem Gesicht lecken, wenn sie nicht aufhören kann zu weinen. Sie erzählt, dass sie keinen Hass empfindet, dass sie gern ein palästinensisches Terror-Opfer kennen lernen würde, dass das aber schwer ist, weil sie einen israelischen Pass hat. Man könnte sich ewig mit ihr unterhalten, aber ein Fotograf will noch ein Bild machen, sie selbst dem Stehgeiger im ersten Salon lauschen, und schließlich bittet der Bundespräsident sie an seinen Tisch.

Die 14-jährige Liel Kolet mit den madonnenhaften Gesichtszügen und den warmen braunen Augen ist auch keine schlechte Gesprächspartnerin. Sie hat vorhin das Lied vom Frieden gesungen. Aber vor allem hat sie vor vier Wochen beim 80. Geburtstag von Shimon Peres zusammen mit 40 arabischen und israelischen Kindern und im Duett mit Bill Clinton „Imagine“ gesungen, den alten John-Lennon-Song.

Kurz vor zwölf gibt es noch eine Tombola. Johannes Rau sitzt direkt vor der Glückstrommel, links von ihm sitzt Kinneret und rechts seine Frau, die in ihren Geburtstag hineinfeiert. Um Mitternacht wird die Verlosung unterbrochen. Katja Ebstein singt „Happy Birthday, liebe Christina“, und Kinneret klatscht im Rhythmus mit, während hinter ihrem Rücken die mehrstöckige Geburtstagstorte angeschnitten wird und der Bundespräsident seine Frau in den Arm nimmt und küsst.

Spät löst sich die Gesellschaft auf. Kinneret eilt noch einmal kurz zurück in den hinteren Salon, vielleicht auf der Suche nach ihrer erdfarbenen Stola. „Ich hatte einen wundervollen Abend“, strahlt sie. „Die Deutschen wissen wirklich, wie man Partys feiert.“ Ihr Gesicht glüht.

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