Berlin : Kino: Krieg und Action sind nicht gefragt

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Markant ragten die Twin Towers in der Werbung für "Pall Mall" noch auf einem Plakat in der Stadt in den Himmel. Den entsprechenden Spot der Zigarettenmarke sehen die Kino-Zuschauer jetzt seit dem schrecklichen Terror-Anschlag in New York aber nicht mehr. "Den haben wir sofort aus dem Programm genommen", sagt Andreas Crüsemann, Leiter des Cinemaxx-Kinos am Potsdamer Platz. Sensibel haben auch andere Unternehmen reagiert, selbst wenn es eigentlich kaum Assoziationen zu dem Anschlag oder irgendwie zu militärischen Aktionen geben kann. Beispielweise wird für "Red Bull" jetzt nicht mehr mit einem General geworben, sondern stattdessen mit dem unverfänglicheren Spot "Max und Moritz", sagt Katja Buchwald vom UCI-Zoo-Palast. Der Zoo-Palast und alle anderen UCI-Häuser wollen in ihren Hauptvorstellungen am heutigen Abend generell auf den Werbeblock verzichten und rufen zu einer Schweigeminute vor dem Film auf.

Trailer für Action- oder Kriegsfilme haben zur Zeit keinen Platz in den Programmen. Die Cinemaxx-Häuser zeigen nicht mehr die Werbefilme für "Password Swordfish", "Spiderman", den Schwarzenegger-Film "Collateral Damage" und "Apocalypse Now". Die Berliner Lichtspieltheater haben zudem die Voraufführungen des Kriegsfilmes "Password Swordfish" mit John Travolta in der Hauptrolle gestrichen. Die Premiere des Filmes wurde auf den 1. November verschoben. Das Cinemaxx am Potsdamer Platz nahm auch "Pearl Harbour" vom Spielplan.

Vielen Filmfans scheinen ohnehin derzeit die Bilder aus dem Fernsehen näher zu gehen als Zerstreuung auf der Leinwand. Die Cinemaxx-Häuser haben in den letzten Tagen zwischen 40 und 50 Prozent weniger Besucher als normalerweise zu verzeichnen gehabt. Andere Häuser wie der Zoo-Palast oder CineStar im Sony-Center waren ebenfalls weniger gut besucht. Und auch das Steven-Spielberg-Epos "A.I. - Künstliche Intelligen", das in seiner Schlusssequenz eine apokalyptische New Yorker Skyline mit den beiden Türmen des World Trade Centers zeigt, ist an seinen ersten Tagen in den deutschen Kinos nicht so gut gelaufen wie ursprünglich erwartet. Trotz mehrerer Nachfragen hat der Verleiher Warner Brothers entschieden, den Film in seiner bisherigen Fassung weiter zu zeigen.

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