Berlin : Kino-Streik: Geschlossene Vorhänge in der West-City

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Lange Gesichter an den Kinokassen: Am Mittwoch traten die Mitarbeiter in den Kinos der Ketten Ufa und Cinemaxx in einen Warnstreik. Vorstellungen fielen aus oder begannen verspätet. Kunden standen vor verschlossenen Türen. Besonders betroffen waren Marmorhaus und Royal-Palast am Breitscheidplatz und der Tauentzienstraße.

Hintergrund der Auseinandersetzung sind die Verhandlungen um einen neuen Tarifvertrag zwischen der IG Medien und dem neuen Arbeitgeberverband ar.di, dem neben Cinemaxx und Ufa auch die Kinos der Kieft-Gruppe (Cine-Star) angehören. Nachdem diese drei Multiplexbetreiber im vergangenen Jahr aus dem Hauptverband der deutschen Filmtheater (HdF) ausgetreten waren, gründeten sie einen eigenen Verband, mit dem die Gewerkschaft bislang keinen neuen Tarifvertrag ausgehandelt hat. Noch bevor die Kinos in Berlin bestreikt wurden, traten Mitarbeiter von Cinemaxx und Ufa bereits in Freiburg und Hannover in den Ausstand.

Thomas Schulz, Sprecher der Cinemaxx-Ufa-Kinos, wollte zu den laufenden Verhandlungen keinen Kommentar abgeben: "Wir sehen dem Streik gelassen entgegen", erklärte er, "weil wir wissen, dass unsere Mitarbeiter zum großen Teil hinter dem Unternehmen stehen." Massive Ausfälle von weiteren Vorstellungen schloss er daher aus. Der stellvertretende Berliner Landesvorsitzende der IG Medien, Andreas Köhn, schob den Arbeitgebern die Verantwortung für die Auseinandersetzung zu. Für die Saison- und Aushilfskräfte würden derzeit Stundenlöhne von 12.15 Mark gezahlt. Gleichzeitig sollen die Mitarbeiter aber nicht nur Filme vorführen, sondern auch Karten abreißen und Getränke verkaufen.

Diese Flexibilität will die Gewerkschaft aber nur mit höheren Stundenlöhnen durchgehen lassen. Die IG Medien fordert mindestens 16,50 Mark pro Stunde. Für die fest angestellten Mitarbeiter will sie ein 13. Monatsgehalt, sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld festschreiben. Die Arbeitsgeber lehnten es nach Angaben der Gewerkschaft bislang pauschal ab, einen neuen Tarifvertrag auszuhandeln, der auch für Mitarbeiter gilt, die nicht fest angestellt sind. Bislang hätten sie auf alle Forderungen nicht reagiert. Deshalb hat die Gewerkschaft zu Warnstreiks aufgerufen.

Nach Angaben von Köhn versuchten die Multiplex-Unternehmer, den Kostendruck durch die scharfe Konkurrenzsituation der Kinos in Berlin auf die Mitarbeiter abzuwälzen. Immer mehr Aufgaben sollten durch Aushilfskräfte erledigt werden, "das ist für die Gewerkschaft nicht hinnehmbar", so Köhn. Er befürchtet, dass dieser Trend zu Lasten der Kinobesucher gehen wird: "Darunter leidet der Service für die Gäste." Zuletzt hatten Berliner Kino-Mitarbeiter vor zwei Jahren gestreikt.

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