Berlin : Kino: Wer hat die Kokosnuss geklaut?

Andreas Conrad

Zuletzt noch ein paar Zahlen, auf sie vor allem kommt es doch an. Irgendein Rekord wird sich dabei schon finden lassen, den man werbewirksam in die Welt posaunen kann. 70 Millionen Dollar ließ der neue "Planet der Affen" schon am ersten Tag in den Kassen der amerikanischen Kinos klingeln. Das war bisher der beste Starttag überhaupt! Weitere 100 Millionen sind in den USA mittlerweile dazugekommen, nicht zu vergessen die anderen nationalen Starts hier und dort: Ja, natürlich, auch das war Spitze!

Und dann gibt der Moderator dieser rund 20 Minuten im Kempinski der Journalistenrunde noch schnell mit auf den Weg, sie mögen doch bitte mithelfen, Tim Burtons Affentheater auch hier zu solch schönem Erfolg zu verhelfen. Nein, Affentheater sagt er selbstverständlich nicht, das wäre kontraproduktiv, und dafür wurde der RTL-Mann nicht engagiert. Gute Laune soll er vielmehr verströmen, sodann den beiden zu seiner Rechten wie Linken platzierten Herren Stichworte zuspielen, schließlich auch ein wenig moderieren. Eigentlich sollten sogar drei Ehrengäste kommen, um der abendlichen Premiere von "Planet der Affen" im Cinestar am Potsdamer Platz auf die Sprünge zu helfen: Tim Burton, Regisseur, sowie Tim Roth und Mark Wahlberg, Schauspieler. Letzterer, seit Wochen im Namen der Affen auf der Weltkugel unterwegs, musste in Paris die Werbetour abbrechen. Sein Vater ist schwer erkrankt, die Familie geht vor.

Kurzfristig hat Mark Wahlberg abgesagt, die meisten der geladenen Gäste gestern abend im Sony-Center werden da noch auf ihre Eintrittskarten vertraut und sich auf den schönen Mark gefreut haben. Kurz nach acht begann sich das Kinocenter zu füllen, oben am roten Teppich die üblichen Schaulustigen, an denen nun ... vorbeiparadierten. Unten im Foyer begoss man sich da schon die Nase. Tim Roth und Tim Burton, die Hauptfiguren dieser Inszenierung, dann kurz von neun.

Berlin-erfahren sind beide, Tim R., seit er sich bei den Filmfestspielen hier als Regisseur vorstellte, Tim B. aus gleichem Anlass. Besonders Burtons wirrer Schopf, unter dem er 1997 so fabelhaft über "Mars Attacks!" fabulieren konnte, bleibt unvergessen. Auch heute macht Tim wieder den Struppi, das ist nun mal, neben der monströsen, das Gesicht ins Eulenhafte verschiebenden Hornbrille, sein Markenzeichen. Unruhig flatterten seine Hände durch die Luft, betonten hier, unterstrichen da, als er sich am Nachmittag im Kempinski der Presse stellte. Zehn Jahre war er alt, als er die berühmte Verfilmung von Pierre Boules Roman "Monkey Planet" sah. Damals in den Sechzigern ein Riesenerfolg, besonders die überraschend auftauchende Freiheitsstatue, wodurch sich der interplanetare Affenfelsen als die gute alte Mutter Erde nach dem Atomkrieg erwies, begeisterte die Zuschauer. Das war natürlich durchwoben vom Zeitgeist, Tim Burton ist sich dessen wohl bewusst, sieht in dem Stoff aber doch etwas Individuelles, was ihn stets aufs Neue reizt: das Geheimnisvolle, das vor allem zum Unterbewusstsein spricht. So sieht er die Affen seines Films auch gar nicht so verschieden von den Menschen, sie repräsentieren allenfalls dessen dunklere Seite.

Da half es sehr, dass die Maskentechnik sich seit den sechzigern Jahren doch erheblich weiterentwickelt hat, die Affen nicht mehr jeder die gleiche Visage bekommen mussten, sondern individuell gestaltet werden konnten, mit beweglichen Lippen, Zähnen - all dem, was man zu einer persönlichen Mimik eben so braucht. Freilich war alles ziemlich zeitaufwendig: Fünf Stunden habe er beim Test in der Maske gesessen, berichtet Tim Roth, im Film der böse Oberschimpanse Thade. Beim Drehen habe sich sein Schminkteam immerhin auf zweieinhalb Stunden gesteigert. Eine offenbar geschlechtsspezifischer Zeitsprung: Bei den Frauen blieb es bei fünf Stunden, verrät der andere Tim juxend.

In den Affenkostümen haben die Akteure erheblich geschwitzt, logisch. Tim Roth aber fand es überraschenderweise "erfrischend": Endlich musste er sich später auf der Leinwand nicht mehr selber sehen, was ihn nur noch langweilt. Das Kostüm dagegen half ihm, sich selbst zu vergessen, brachte ihn von sich selbst weg, und das, so freut er sich, sei es doch, was ein Schauspieler eigentlich wolle.

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