Berlin : Kioskbesitzer niedergestochen

Drei junge Männer wegen Mordversuchs vor Gericht

-

Der ältere Bruder will entsetzt gewesen sein. „Ich wusste nicht, dass Heiko zu so einer Gewalt fähig ist“, beteuerte Oliver S. vor Gericht. Er, der 19-Jährige, wollte Heiko, dem 18-Jährigen, nach der Tat „am liebsten eine klatschen für das, was er getan hat“. Nach Auffassung der Anklage aber war der Ältere bei dem brutalen Überfall auf einen Kioskbesitzer keinen Deut besser: Beide Brüder und ein 27-jähriger Komplize sollen zugestochen haben. Mit verschiedenen Messern, insgesamt fünf Mal. Seit gestern sitzen sie wegen Mordversuchs und Raubes vor Gericht.

Oliver S. gestand zwar den Raub. Er gab auch zu, dass die Sache geplant war. Sie hätten in der Wohnung seiner Freundin gesessen, gekifft und den Ablauf festgelegt. Dabei seien auch Sätze gefallen wie „Stechen wir den einfach ab, dann kann er nicht als Zeuge aussagen“. Aber das seien Witzeleien gewesen, meinte Oliver S. Heiko und Norman W., der Dritte im Bunde, hätten ihm zugesichert, dass die Messer nicht eingesetzt würden.

Am frühen Morgen des 29. September vorigen Jahres lagen sie maskiert auf der Lauer. Sie sahen, wie sich das Opfer näherte. Der 55-Jährige wollte gerade seinen Tabakladen aufschließen, da bekam er ein Messer in den Rücken. „Heiko stand dann da und guckte auf das blutige Messer“, sagte der ältere Bruder. Dann habe sich W. mit dem Mann „beschäftigt“. Er selbst habe nicht zugestochen. Die Anwälte seines Bruders aber sagten gestern, dieser schildere die Tat genau umgekehrt.

Das Opfer erlitt lebensgefährliche Verletzungen an Lunge und Niere. Die Täter sollen neben drei EC-Karten rund 2000 Euro erbeutet haben. Mit auf der Anklagebank sitzt auch die 20-jährige Freundin von Oliver S. Ihr wird Beihilfe zum Raub vorgeworfen. Einen Teil der Beute sollen sie und ihr Freund für einen Fernseher ausgegeben haben. Fünfter Angeklagter ist ein 14-jähriger Bruder der Geschwister. Er hatte laut Anklage 80 Euro „Schweigegeld“ bekommen. Der Prozess wird am 18. April fortgesetzt. K. G.

0 Kommentare

Neuester Kommentar