Berlin : Kippe aus am Aschermittwoch

30 Prozent der Plätze in Lokalen sollen von nun an Nichtrauchern vorbehalten sein. Hält sich jemand daran? Ein Kaffeehausbesuch

Matthias Jekosch

Der alte Mann ist vom Rauch seiner Zigarre eingehüllt. „Nichtraucherbereiche? Finde ich ne gute Idee“, sagt er und pustet genüsslich Schwaden in die Luft. Der süßliche Rauch steigt in die Höhe und verteilt sich im „Kaffee am Meer“. Seit gestern sollen Gastronomiebetriebe 30 Prozent ihrer Sitzplätze für Nichtraucher zur Verfügung stellen, auf freiwilliger Basis. Davon ist nichts zu merken. Auf jedem Tisch steht ein Aschenbecher.

Auf absolutes Verständnis für die Nichtraucher trifft man bei den Rauchern in den Cafés rund um die Kreuzberger Bergmannstraße. Im „Atlantis“ sitzt John Seddon beim Milchkaffee. „Wenn jemand nicht will, dass ich rauche, dann rauche ich auch nicht“, sagt er. Die Entscheidung wird ihm hier abgenommen – die meisten Gäste rauchen ebenfalls. Weiter geht’s ins „Milagro“. Dort findet es Besucherin Bahar Sanli gut, „erst einmal klein anzufangen“. Es ist aber auch ein Lebensgefühl zu rauchen und zu quatschen, das sollte man nicht beschränken“, sagt die Frau – und Nichtraucherin.

„Überhaupt nicht anfangen“ scheint indes das Motto der meisten Lokale zu sein: Neben dem „Kaffee am Meer“ haben auch die „Lonestar Taqueria“ und das „Freßco“ nur Raucherplätze, im „Milagro“ darf ab 20 Uhr auf jedem Platz geraucht werden. Dabei befürworten die meisten befragten Inhaber und ihre Angestellten ein Rauchverbot. Umut Caner vom „Freßco“ sagt, er würde sich dagegen nicht wehren. „Doch es gibt zu viele Raucher. Das wird so nicht durchkommen.“ Werner Kronawitter, Besitzer der „Espresso Lounge“, will eine Nichtraucherregelung ganz oder gar nicht, die jetzige Regelung hält er für „kompletten Unsinn“. „Der ganze Rauch zieht rüber in die Nichtraucherbereiche.“ Im „Atlantis“ hat man andere Möglichkeiten, weil dort seit einem Jahr ein ganzer Raum nur für Nichtraucher zur Verfügung steht. „Der Raum ist tagsüber sehr beliebt“, sagt Tresenkraft Barbara Lemke. „Hier arbeiten viele, die nicht rauchen und das befürworten.“ Sie möchte ein generelles Rauchverbot wie der Chef der „Espresso Lounge“ „Das als einziges Café durchzuziehen wäre ein wirtschaftlicher Nachteil“, sagt er als Begründung, warum es nicht umgesetzt wird.

Das Ziel, das der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und das Bundesgesundheitsministerium vorgeben, kommt einem kompletten Rauchverbot sehr nahe. Ab März 2008 sollen 90 Prozent der Plätze Nichtrauchern vorbehalten sein. Die 30 Prozent-Regelung, ist nur eine Stufe auf dem Weg dahin. Mit der freiwilligen Selbstbeschränkung sind die Gastronomiebetriebe einer gesetzlichen Regelung zuvorgekommen. „Schaffen wir es nicht, dann droht ein gesetzliches Rauchverbot“, sagt Dehoga-Sprecherin Stefanie Heckel. „Wir sind zufrieden, wie es angelaufen ist, aber es ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten“, sagt sie zu den Erfolgsaussichten.

Das „Barcomi’s“ ist da sogar schon weiter. Hier darf nicht geraucht werden, allerdings fällt das kleine Café auch nicht unter die 30-Prozent-Regelung, die nur für Lokale ab 40 Sitzplätzen gilt. Die positiven Erfahrungen könnten den bisher zögerlichen Gastwirten als Gegenargument dienen: „Es bleiben zwar Raucher weg, aber dafür kommen andere und freuen sich“, hat eine Kellnerin beobachtet.

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