Kippen im Sandkasten : Braucht Berlin ein Rauchverbot auf Spielplätzen?

In Brandenburg ist das Rauchen und Trinken auf Spielplätzen verboten – Berlin tut sich schwerer. Dabei können sich die Kleinen an Zigarettenstummeln vergiften.

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Weggekippt. Rauchen ist bislang nicht flächendeckend auf Berlins Spielplätzen gesetzlich verboten.
Weggekippt. Rauchen ist bislang nicht flächendeckend auf Berlins Spielplätzen gesetzlich verboten.Foto: Michael Schick/Imago

Frühlingssonne, laue Luft, Fluppe zwischen die Lippen und ein Schluck aus der Bierpulle: Das waren noch selige Zeiten für Raucher in Berlin – in Cafés, auf Bahnhöfen, sogar auf den Spielplätzen. Während der Nachwuchs buddelt oder schaukelt, machen es sich etliche Mütter und Väter noch immer mit Zigarette und Alkohol nebenan gemütlich. In Brandenburg müssten sie dabei neuerdings mit Stress rechnen: Dort ist vor allem das Qualmen auf Spielplätzen per Nichtraucherschutzgesetz landesweit untersagt. Und einzelne Kommunen gehen noch weiter: So will Werder künftig den Griff zu Kippe und Alkohol sogar im 20-Meter-Umkreis von Spielgeräten verbieten. In Berlin sind die Regelungen vergleichsweise lasch. „Das muss sich ändern“, sagt der Gesundheitsexperte der Grünen im Abgeordnetenhaus, Heiko Thomas. Für ihn ist „nicht nachvollziehbar, weshalb man in manchen Bezirken noch problemlos auf Spielplätzen rauchen kann“.

Viele Berliner Bezirke zögern noch

Die Argumente für ein striktes Rauchverbot auf Spielplätzen liefert das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg. „Zu Boden gefallene Zigarettenstummel sind nicht nur ästhetisch störend“, schreiben die Wissenschaftler. „Werden die Stummel von Kleinkindern verschluckt, können sie schwere Vergiftungen verursachen.“ Im übrigen seien Raucher neben der Rutsche „einfach ein schlechtes Vorbild“, ergänzt Thomas . Dabei sieht er sich in einer Front mit dem Kinderhilfswerk und Kinderschutzbund, die gleichfalls Zigaretten von Spielplätzen verbannen wollen.

Umfrage zum Rauchverbot an Haltestellen
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Nichtraucherschutzgesetze gibt es seit 2008/09 in allen Bundesländern. Inzwischen wird vor Gericht sogar schon über das Rauchen in Wohnungen gestritten. Doch nur Brandenburg, Bayern und das Saarland verbieten darin explizit auch Rauch auf Spielplätzen. Anderswo ist es Sache der Kommunen, ob sie dies in ihrem Bereich verfügen. So sind Raucher beispielsweise auf Spielplätzen in Frankfurt am Main oder Heidelberg unerwünscht.

Berlins Nichtraucherschutzgesetz erklärt Theater, Gaststätten oder Diskos zu Tabuzonen, über ein Verbot für öffentliche Haltestellen wird bereits diskutiert. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Qualm für „Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe“, wie es heißt. „Da hätte man die Spielplätze doch gleich mit reinschreiben können“, sagt Johannes Spatz vom „Berliner Forum Rauchfrei“. Seine Initiative und die Grünen fordern den Senat auf, das Gesetz entsprechend nachzurüsten.

In Pankow hat sich das Verbot gelohnt

Stattdessen ist es an der Spree bislang den Bezirken überlassen, ob sie ein solches Verbot verhängen und konsequent durchsetzen wollen. Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Lichtenberg, Tempelhof-Schöneberg oder Pankow haben bereits ihre Grünanlagengesetze mit entsprechenden Verordnungen ergänzt. In der Regel sind auf den Schildern am Spielplatzrand dann nicht nur die Symbole für Zigaretten durchgekreuzt, sondern auch für Alkoholika. Andere Bezirke wie Neukölln oder Treptow-Köpenick haben einen solchen Schritt noch nicht unternommen.

Obwohl auch die Senatsgesundheitsverwaltung und viele Suchtberater dies gerne sähen. Pankows Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) steuert dazu „beste Erfahrungen“ bei. „Weniger verstreute Zigarettenstummel und vor allem: weniger Raucher“ beobachtet er auf den Spielplätzen, seit der Bezirk 2009 einschritt. Das Ordnungsamt müsse nicht ständig vor Ort sein, meint er. Alleine die „soziale Kontrolle“ reiche aus, die gut sichtbare Verbotsschilder auslösen. Dies sieht Baustadtrat Daniel Krüger (CDU) von Tempelhof-Schöneberg ähnlich.

Nur in den Abendstunden, wenn sich manche Spiel- oder Stadtplätze zu Jugendtreffs wandeln, sieht es anders aus. Dann nützen Verbotsschilder gegen Rauch- und Trinkgelage offenbar wenig. Das zeigte sich beispielsweise am Leopoldplatz in Wedding. Ein Alkoholverbot hob der Bezirk Mitte dort nach einigen Monaten wieder auf. Stattdessen wurden lieber Sozialarbeiter aufs Areal geschickt.

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