Berlin : Kirche lud Neuberliner zu Informationsabend - Chöre und Museen vorgestellt

Claudia von Salzen

Laptop und Drucker stehen im Turm des Berliner Doms bereit. Zwei junge Frauen suchen einen Chor. Ein Gospelchor soll es sein, "in dem viele junge Leute sind", am besten in Mitte oder Friedrichshain. Thomas Bender vom Berliner Sängerbund schaut stirnrunzelnd auf den Bildschirm. Über 200 Chöre hat er in seiner Datenbank. Einen Jazzchor schlägt er vor, zwei Gospelchöre in Schöneberg, eine Singegemeinschaft am Märkischen Ufer. Am Ende druckt er eine Liste mit Ansprechpartnern aus. Damit hat sich für die beiden Frauen der Besuch beim Informationsabend für Neuberliner schon gelohnt.

Der Berliner Dom hatte zu dieser ungewöhnlichen Veranstaltung geladen und den Abend mit einem "musikalischen Geschenk an die Neuberliner" eingeleitet, einem Konzert des Ensembles "Musica Variata". Danach konnten sich die Besucher in den Türmen des Doms über kulturelle Angebote informieren, so über das Programm der Volkshochschule Steglitz, des Heimatmuseums Treptow oder über das Leben im Bezirk Weißensee. Einen dicken Stapel Broschüren hat Joachim Nick-Leptin unter dem Arm. Der Mitarbeiter im Kanzleramt kam im August aus Bonn nach Berlin. Das Angebot der Veranstaltung, von der er aus Flugblättern im Kanzleramt erfahren hatte, findet er interessant. Probleme mit dem Einleben hat er nicht: "Ich habe mich gleich heimisch gefühlt, weil meine Frau aus Berlin kommt", sagt er und schwärmt vom Leben in Prenzlauer Berg.

In den Gängen und Türmen des Doms informieren sich keineswegs nur Neuberliner: Ingrid Hintermeier, die am Stand des Hotels Albrechtshof ein Glas Sekt trinkt, kam schon vor mehr als zwei Jahren aus einer Kleinstadt in Schleswig-Holstein nach Berlin. "Ich bin chronisch neugierig und suche hier nach neuen Anregungen", sagt sie. Für sie war es anfangs nicht einfach, sich in Berlin zurechtzufinden: "Am Anfang habe ich mich von der Stadt regelrecht eingeschüchtert gefühlt."

Domkuratorin Margrit Hilmer ist ein wenig enttäuscht, dass nicht mehr Besucher gekommen sind. Dies bedauerten auch viele Aussteller. Dafür hatte Wolfgang Holtz vom Heimatverein Steglitz eine ganz besondere Begegnung: Er traf den Urenkel des Berliner Bankiers Schwartz, der vor über 100 Jahren die Schwartzsche Villa in Steglitz errichten ließ. Diesem Neuberliner will Holtz bei seiner nächsten Friedhofsführung das Grab des Urgroßvaters zeigen.

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