Kirche : Papst ernennt neuen Berliner Weihbischof

Matthias Heinrich, der bisherige Personalchef des Berliner Erzbistumns, wird künftig Kardinal Sterzinsky unterstützen.

Claudia Keller
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Heinrich

Jeden Mittag lädt die St. Hedwigs-Kathedrale zur Meditation ein. Es soll eine Unterbrechung vom Alltag sein, die „Raum für Unerwartetes“ schafft. Am Mittwoch ist das gelungen. Denn es wurde bekannt gegeben, wen Papst Benedikt XVI. zum neuen Weihbischof für das Berliner Erzbistum ernannt hat: Künftig wird Matthias Heinrich Kardinal Georg Sterzinsky sozusagen als Hilfsbischof zur Seite stehen. Heinrich ist seit 2003 Personalchef des Bistums und seit 2004 Domkapitular.

Schon im Oktober 2007 feierte Heinrichs Vorgänger, Weihbischof Wolfgang Weider, seinen 75. Geburtstag und bot in Rom seinen Amtsverzicht an. Doch der Papst ließ sich mit der Ernennung eines Nachfolgers ungewöhnlich viel Zeit, was die wildesten Gerüchte über den potenziellen zweiten Mann an der Spitze des Berliner Bistums nährte. Vor kurzem erst wurde gemunkelt, Monsignore Georg Gänswein, der smarte, dogmatisch unerbittliche Privatsekretär des Papstes, solle Kardinal Sterzinsky zur Seite gestellt werden. Hintergrund für dieses Gerücht sind wohl Pläne im Vatikan, Gänswein auch für die Zeit nach dem Tod des jetzigen Papstes zu versorgen. Dafür schaut man sich seit einiger Zeit nach einem Bischofssitz in Deutschland für ihn um.

Der 55-jährige Matthias Heinrich soll am 19. April, am Weißen Sonntag, die Bischofsweihe erhalten. Heinrich wuchs in West-Berlin auf und wurde 1981 vom damaligen Berliner Bischof Joachim Meisner zum Priester geweiht und nur vier Jahre später zum Leiter des Priesterseminars ernannt. Seitdem gilt Heinrich als Zögling des erzkonservativen, heutigen Kölner Kardinals Meisner. Heinrichs Verhältnis zum Berliner Kardinal Sterzinsky gilt auch deshalb als schwierig. Sterzinsky las am Mittwoch in der Hedwigs-Kathedrale denn auch lediglich Heinrichs Lebenslauf vom Blatt ab und gratulierte ihm zu seinem Amt. Dass er sich auf die Zusammenarbeit freue, davon war keine Rede.

Kardinal Sterzinsky ist seit Monaten schwer krank. Mit kleinen Schritten mühte er sich zum Mikrofon. Bevor er die Treppen vom Altarraum herunterstieg, suchte er Halt. Der Kardinal befinde sich in Behandlung und sei geschwächt, sagte Bistumssprecher Stefan Förner. Aber er habe die Geschäfte fest in der Hand. In zwei Jahren wird Sterzinsky 75 Jahre alt und wird dem Papst seinen Rücktritt anbieten. Vermutlich wird der Papst das Angebot annehmen – anders als bei Joachim Meisner, der trotz seiner 75 Jahre im Amt bleibt.

„Wir freuen uns, dass wir endlich wieder einen Weihbischof haben und dass es einer ist, der sich in der Diözese auskennt“, sagte Wolfgang Klose, der Vorsitzende des Diözesanrates, des obersten Laiengremiums im Bistum. Er habe sich über die Ankündigung gefreut, mit den Verbänden und Gremien zusammenarbeiten zu wollen. Andere halten Heinrich für eine „Kompromisslösung“ und fürchten, dass er den Einfluss der Laien zurückdrängen wolle. Wiederum andere schwärmen davon, wie gut und offen Heinrich auf Menschen zugehen könne. Claudia Keller

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