Kirche : Streit über Religionsunterricht geht weiter

Die evangelische Kirche fordert weiterhin Religion als ordentliches Schulfach. Am 22. September startet dazu ein Volksbegehren. Indes sagte der Senat Hilfe für die Sanierung der Gedächtniskirche zu. Er schätzt die Kosten auf 4,1 Millionen Euro.

Sigrid Kneist

BerlinBeim Thema Religonsunterricht bleiben Senat und evangelische Kirche weiter unversöhnlich. Nach einer gemeinsamen Sitzung zwischen Landesregierung und der Kirchenleitung sagte Landesbischof Wolfgang Huber gestern: „Dieser kontroverse Punkt führte zu Lebendigkeit in der Debatte.“ Während die evangelische wie die katholische Kirche die Gleichsetzung von Religions- mit Ethikunterricht und damit eine Wahlmöglichkeit zwischen beiden Fächern fordern, hält der Senat an dem für alle Schüler verbindlichen Pflichtfach Ethik fest. Die Kirchen unterstüzen deshalb das Volksbegehren „Pro Reli“.

„Ich sehe keinen neuen Vorschlag des Senats, der die Ausgangsbedingungen für das Volksbegehren ändert“, sagte Huber. Ein ordentliches Schulfach Religion brächte nicht nur Vorteile für die christlichen Kirchen, sondern würde auch den Islamunterricht besser einbinden. Für den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit ist (SPD) dies nur ein „Hilfsargument“. Er will jetzt den Ausgang des Volksbegehrens abwarten, dessen nächste Stufe am 22. September beginnt.

Mit einer Aktion vor dem Roten Rathaus wollen die Initiatoren an diesem Tag die Unterschriftensammlung starten. 170 000 Berliner müssen unterschreiben, damit es zu einem Volksentscheid kommen kann. Anders als noch beim Volksbegehren gegen die Schließung des Flughafens Tempelhof müssen die Unterschriften nicht mehr in den Bezirksämtern gesammelt werden; Listen können auf Ständen an der Straße, bei Veranstaltungen der Kirchen oder nach Gottesdiensten ausliegen.

85 000 Schüler bis zur Klasse 10 nehmen in Berlin am evangelischen Religionsunterricht teil; rund 25 000 am katholischen. Mit der Einführung von Ethik zum Schuljahr 2006/07 haben sich aber gerade ab der siebten Klasse die Zahlen erheblich reduziert. Hatten sich vorher rund 7100 Siebtklässler für den evangelischen Religionsunterricht entschieden, waren es nun nur 5200. Auch beim katholischen Unterricht gingen die Teilnehmerzahlen von dieser Jahrgangsstufe an zurück.

Bei dem Gespräch, das gemäß dem im April 2006 verabschiedeten Staatsvertrag zwischen Senat und Kirche regelmäßig stattfinden soll, ging es auch darum, wie die Sanierung des maroden Turms der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche finanziert werden kann. Wowereit sagte, dass der Senat einen Antrag für Mittel der Lottostiftung in Höhe von einer Million Euro unterstütze. Wegen seiner Symbolkraft habe der Turm hohe Priorität bei Senat und Kirche. Zudem gibt es laut Wowereit Möglichkeiten, Gelder über die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu bekommen. Bischof Huber nannte als Ziel, dass eine halbe bis eine Million Euro über Spenden aufgebracht werden müssen, dies sei aber „ein Langstreckenlauf“. Die Sanierung des Turmes wird nach Angaben der Kirche rund 3,5 Millionen Euro kosten; der Senat spricht von 4,1 Millionen Euro.

Ein weiteres Thema war die Einrichtung eines Bet-Raums im künftigen Großflughafen BBI. Huber sprach sich dagegen aus, einen „Raum der Stille“ für alle Religionen zu schaffen, damit werde man keiner Glaubensgemeinschaft gerecht. Er hoffe, dass der zur Verfügung stehende Platz anders gegliedert werden könne.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben