Kirchenbau in Potsdam : 210 000 Euro für die Garnisonkirche

Der Wiederaufbau ist das große Ziel, nun vermeldet die Stiftung einen Erfolg: Zwei weitere Mäzene haben ihre Unterstützung für das Projekt zugesagt.

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Vorerst nur Modell. So soll die wiedererrichtete Garnisonkirche aussehen.
Vorerst nur Modell. So soll die wiedererrichtete Garnisonkirche aussehen.Foto: Andreas Klaer

Für den Wiederaufbau der Garnisonkirche kommen immer mehr Spenden zusammen. Man sei mit zwei weiteren Mäzenen – einem Privatmann und einer Stiftung – handelseinig, sagte Wieland Eschenburg, Kommunikationsvorstand der Garnisonkirchen-Stiftung, am Freitag auf Anfrage. Zusammen geben sie weitere 210 000 Euro in die Spendenkasse für den Wiederaufbau des einstigen Potsdamer Wahrzeichens. Es ist bereits die dritte Großspende binnen weniger Monate: Im Sommer hatte ein bislang anonymer Geldgeber 1,5 Millionen Euro für die in 60 Metern Höhe geplante Aussichtsplattform zur Verfügung gestellt, ein weiterer Privatsponsor will die 250 000 Euro teure Bibliothek bezahlen. In der kommenden Woche sollen laut Eschenburg die Verträge mit den neuen Spendern unterschrieben werden.

Finanzierungslücke schrumpft auf weniger als eine Millionen Euro

Die verbleibende Finanzierungslücke für das Projekt schrumpft damit abermals, nunmehr auf „weniger als eine Million Euro“, sagte Eschenburg. Bereits in zwei Wochen könnte sie erneut kleiner werden. Dann berät wie berichtet die Synode der Evangelischen Kreiskirche Potsdam über einen weiteren Kirchenkredit in Höhe von 250 000 Euro. Zuvor hatten im Frühjahr bereits die Landeskirche ein Darlehen über 3,25 Millionen Euro und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) einen Kredit über 1,5 Millionen Euro gewährt.

Wenn die dann noch verbleibende Deckungslücke – etwas mehr als eine halbe Million Euro – geschlossen ist, will die Stiftung den Förderantrag für die zwölf Millionen Euro stellen, die der Bund als Anschubfinanzierung für den Wiederaufbau des barocken, knapp 90 Meter hohen Turms in Aussicht gestellt hat, weil das Bauwerk in Berlin als eines von „nationaler Bedeutung“ angesehen wird. Bei der Prüfung wird es darauf ankommen, ob der Bund das Projekt auch in seiner reduzierten Variante als förderfähig anerkennt. Denn die Stiftung will zunächst einen optisch reduzierten Turm ohne Helm und barocke Verzierungen errichten, um möglichst schnell mit dem Bau beginnen zu können. Hintergrund ist der enge Zeitplan: Weil die Baugenehmigung für die Garnisonkirche Ende 2019 ausläuft, muss sie nach brandenburgischem Baurecht spätestens ein Jahr danach, also Ende 2020, fertig sein. 26,1 Millionen Euro würde diese Rumpflösung kosten. Aus Berlin gibt es allerdings bereits positive Signale hinsichtlich der Förderfähigkeit, weil der Turm trotzdem nutzbar wäre.

Linke gegen Bundesförderung

Gegen die Bundesförderung gibt es jedoch Widerstand von den Linken. Die Bundestagsfraktion der Partei hat jetzt beantragt, dass der Bund die Mittel streichen soll – wegen der Vergangenheit des Bauwerks als Militärkirche und des sogenannten Tags von Potsdam am 21. März 1933, als sich Hitler und Reichspräsident Hindenburg vor der Kirche die Hand schüttelten. Die Stiftung warf den Linken vor, die „Geschichte mit Scheuklappen einseitiger Betrachtung zu bewerten“. Orte wie den Turm der Garnisonkirche benötige die Gesellschaft „zur Diskussion der Vergangenheit für unsere Zukunft“, hieß es mit Verweis auf das im Turm geplante Versöhnungszentrum. Wieland Eschenburg kündigte an, in naher Zukunft das Gespräch mit der Bundestagsfraktion der Linken zu suchen, um diese über das Projekt zu informieren und etwaige Missverständnisse auszuräumen.

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