Kirchentag in Berlin : Entspannte Menschen, volle Züge, friedliche Atmosphäre

Das Großereignis in Berlin ist zu Ende. Hier eine Bilanz. Aber die nächsten Events lassen nicht lange auf sich warten.

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Vier Tage lang dominierte das Orange des Kirchentags im Berliner Stadtbild. Am Sonntag geht er in Wittenberg zu Ende.
Vier Tage lang dominierte das Orange des Kirchentags im Berliner Stadtbild. Am Sonntag geht er in Wittenberg zu Ende.Foto: Paul Zinken/dpa

Mehr als 100 000 Dauerkarten - exakt 106 380 - wurden für den Kirchentag verkauft, dazu kamen täglich viele tausend Besucher, die gezielt einzelne Veranstaltungen besucht haben oder noch besuchen. Eine der Besucherinnen ist Gabriele Welzel aus Dortmund; sie dürfte mit ihrem Urteil über die Atmosphäre für sehr viele Besucher sprechen. Ihr hat die Stimmung gut gefallen. Gabriele Welzel besitzt eine Dauerkarte und hatte das Problem, „dass ich zu viele Veranstaltungen anschauen wollte“. So kam sie zu einzelnen Events zu spät. Auch die Sicherheitsmaßnahmen nahm sie in aller Regel gelassen hin. „Ich fühlte mich sicher.“ Und gerade beim Obama-Auftritt „haben die toll kontrolliert“.

Die Straße des 17. Juni bleibt zu

Die Besucher reisen wieder ab, dennoch bleiben die Sperrungen im Tiergarten bestehen. Und zwar bis in die Nacht zum Montag, 12. Juni. Grund: Kommende Woche beginnt das Turnfest – am 3. Juni laufen 30 000 Sportler mit Spielmannszügen über die Straße des 17. Juni. Und am 11. Juni findet vor dem Brandenburger Tor das Umweltfestival statt. Bei Bahnen und Bussen lief der Verkehr relativ flüssig. Die Fahrzeuge seien zwar voller als sonst gewesen, hätten aber alle Fahrgäste aufnehmen können, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Ähnlich sah es bei der S-Bahn und der Regionalbahn aus. Am Sonnabend meldete die S-Bahn die erste Störung erst am Mittag: Ein defekter Zug hatte die Strecke im Bahnhof Yorckstraße blockiert.

Organisatoren sind zufrieden

Kirchentags-Präsidentin Christina Aus der Au war beeindruckt von der friedlichen, offenen Atmosphäre in der Stadt und den vielen, konstruktiven Diskussionen. „Wir haben Berlin für ein paar Tage einen neuen Ruf verschafft“, sagte sie am Sonnabend. „Dialog hat den Kirchentag geprägt, man hat einander zugehört.“ Besonders „unter die Haut gingen die Erzählungen von Flüchtlingen“. Bischof Markus Dröge, Leiter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, erklärte, der Kirchentag bringe „Menschen im Diskurs zusammen, und zwar mit Fröhlichkeit und Leichtigkeit“. Er fand es beeindruckend, dass beim Kirchentag eine Schweigeminute für alle ertrunkenen Flüchtlinge eingelegt wurde. „Gerade für Christenmenschen ist das Flüchtlingsthema ein Herausforderung“, sagte Dröge, durch sein Amt Gastgeber des Kirchentags.

Ohne Ehrenamtliche hätte die Veranstaltung nicht geklappt

Rund 5000 freiwillige Helfer und Helferinnen wirken am Kirchentag mit. Ohne ihre Hilfe war und ist die Veranstaltung logistisch nicht zu bewältigen. Eine dieser Helferinnen ist die 23-jährige Damaris Henning aus dem Kreis Offenburg in Baden-Württemberg. Sie verkauft am Samstag vor der Haupthalle des Messegeländes orangefarbene Schals. Die gehören zu den textilen Symbolen des Kirchentags. Henning besuchte aber auch den Eröffnungsgottesdienst und hörte dem früheren US-Präsidenten Barack Obama vor dem Brandenburger Tor zu. „Ich habe die Leute in der Stadt als entspannt und toll empfunden“, sagt sie. „Es gab fast keine Klagen.“ Sie selber hat auch keinen Grund dazu. Zusammen mit drei Kollegen hat sie vor der Halle in zweieinhalb Stunden 200 Schals verkauft.

Die Polizei zieht ein positives Fazit

„Das ist ein friedfertiges Publikum, kein Alkohol, keine Exzesse“, sagt Polizeisprecher Winfrid Wenzel. Auch am Sonnabend, als sich Kirchentagsgäste und Fußballfans beispielsweise am Alex oder Breitscheidplatz vermischten, blieb alles konfliktfrei. Überhaupt sei die viertägige Großveranstaltung „prima“ verlaufen, „entspannt und ruhig“. Auch die Diskussion von Obama mit Kanzlerin Angela Merkel vorm Brandenburger Tor blieb laut Wenzel nahezu ohne Zwischenfälle. Dieses Ereignis hatte die Polizei zuvor als „ganz große Herausforderung“ bezeichnet. Es galt die oberste Terrorwarnstufe. Während des gesamten Kirchentages waren bis zu 6000 Beamte im Einsatz. Nach dem Anschlag von Manchester hatten die Behörden die Sicherheitslage erneut überprüft, Taschenkontrollen wurden weiter verschärft, ehrenamtliche Helfer dafür extra geschult. Auch die Feuerwehr ist zufrieden. „Keinerlei Probleme mit dem Kirchentag“, heißt es in der Leitstelle. cs

Der Kirchentag ist weitergezogen nach Wittenberg. Dort findet um 12 Uhr der Abschlussgottesdienst statt. Die Veranstalter erwarten bis zu 100 000 Besucher. Von Wittenberg ging vor 500 Jahren die Reformation aus. Es gibt nach Angaben des Veranstalters noch Bahntickets. Die Bahn setzt Sonderzüge ein.

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