Kirchentag in Berlin : Prominente werben für Gästebetten

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt und S-Bahn-Finanzchef Bastian Knabe gingen gemeinsam auf Werbetour für den Kirchentag.

Jana Weiss
Sleep-in. Grünen-Politikerin Göring-Eckhardt und S-Bahn-Finanzchef Knabe werben für den Kirchentag.
Sleep-in. Grünen-Politikerin Göring-Eckhardt und S-Bahn-Finanzchef Knabe werben für den Kirchentag.Foto: DAVIDS/David Darmer

Auf dem Bahnsteig am Südkreuz steht ein Bett. Es ist orange und darin liegen Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und S-Bahn-Geschäftsführer für Finanzen, Bastian Knabe. Sie werben für ein Projekt des Evangelischen Kirchentags, der vom 24. bis 28. Mai zum Reformationsjubiläum in Berlin und Wittenberg stattfindet – und zu dem viele Übernachtungsgäste erwartet werden. 12 000 der insgesamt erwarteten 100 000 Besucher sollen privat untergebracht werden – also bei Menschen, die ihr Gästebett oder Sofa kostenlos zu Verfügung stellen. Die Gastgeber bekommen dafür zwei Tagestickets für die Kirchentage – und, so hoffen die Veranstalter, neue Freunde aus anderen Städten oder Ländern.

Orange ist die Farbe des diesjährigen Kirchentags, und so gibt es orange Stoffbeutel und zwei orange beklebte Waggons der Ringbahn – die fahren ab sofort ungefähr 20-mal am Tag um die Stadt. Im orangen Bett rumzuliegen, ist nur das Vorspiel, Katrin Göring-Eckardt, Botschafterin des Reformationsjubiläums, und Bastian Knabe haben heute noch mehr gemeinsam vor: Mit der beklebten Ringbahn fahren sie einmal um die Stadt, machen in üblicher S-Bahn-Manier unverständliche Lautsprecherdurchsagen und verteilen Flyer. Die Fahrgäste zeigen sich davon am Donnerstag eher unbeeindruckt, in der Ringbahn sind schon verrücktere Sachen passiert. Nur drei Jugendliche mit bunten Haaren fühlen sich gestört von den Durchsagen. Sie rufen: „Wir wollen unsere Ruhe!“

5000 Berliner bieten schon Gästebetten an

Ein Mann erkennt die Grünen-Fraktionsvorsitzende und freut sich, dass sie so engagiert ist, selbst Flyer für ihr Projekt zu verteilen. Ob er selbst jemandem einen Schlafplatz zur Verfügung stellen wird, will er sich noch überlegen. „Ick bin Atheist“, sagt er in breitem Berliner Dialekt, „aber immer interessiert an Neuem. Also warum nicht?“

Noch engagierter als die Grünen-Politikerin ist S-Bahn-Geschäftsführer Knabe: Unermüdlich läuft er durch die zwei orangefarbenen Waggons und spricht Passanten an, in der einen Hand die Flyer, in der anderen ein oranges Miniaturbett, in dem ein Teddybär liegt. Ein Mann aus Wiesbaden ruft ihm beim Aussteigen zu: „In Ihrem Alter müsste da was Lebendiges drin liegen, nichts aus Stoff!“ Knabe lacht und macht unbeirrt weiter.

Auch wenn sich heute in der S-Bahn niemand direkt bereiterklären wollte, einen Schlafplatz für Kirchentagsgäste bereitzustellen: 5000 Menschen haben sich seit dem Start der Kampagne auf der Website des Deutschen Evangelischen Kirchentags Anfang Januar schon als private Quartiergeber gefunden. Vielleicht macht ja noch der ein oder andere Politiker mit. Bei Göring-Eckardt sind schon alle Schlafplätze vergeben.

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