Kirchenverkauf : "Der Gott der Christen ist nicht der Gott der Muslime"

Darf eine Kirche in eine Moschee umgewandelt werden? Das Erzbistum sieht Christen und Muslime derzeit noch zu weit voneinander entfernt. Den Verkauf einer Kirche an eine Supermarktkette bereut das Bistum inzwischen.

Claudia Keller
Moschee
Bald ohne Orgel. Das Instrument wird aus der Moschee noch ausgebaut. -Foto: Steinert

Vor zwei Jahren wurde die Kirche St. Raphael in Gatow an eine Supermarktkette verkauft. Im Brandenburgischen Milow ist eine Sparkasse in die Dorfkirche eingezogen. Dass eine Kirche in eine Moschee verwandelt wird, schließen die Amtskirchen aus. Die Neuapostolische Kirche, eine Freikirche, hat hingegen vor kurzem zwei Kirchen in Neukölln und in Tempelhof an muslimische Vereine verkauft. Am Wochenende berichtete der Tagesspiegel darüber.

„Ich bin erschrocken, als ich das gelesen habe“, sagt Bernd Szymanski, Superintendent der evangelischen Landeskirche für Neukölln. Kirchen seien „deutlich christliche Zeichen“. Andererseits werde das nördliche Neukölln schleichend islamisiert, das sei nun mal so. „Da kann man christliche Kirchen nicht ewig als Museen stehen lassen.“ Wenn man sich aber anschaue, wie Muslime etwa in Istanbul mit der früheren Kirche Hagia Sophia umgegangen sind, dann sollte man eine Kirche doch lieber abreißen, als sie an Muslime zu verkaufen.

Der Migrationsbeauftragte im Bezirk Neukölln hat gegen die Umwandlung der ehemals neuapostolischen Kirche in der Flughafenstraße in eine Moschee nichts einzuwenden: „Ein Gotteshaus ist ein Gotteshaus.“ So einfach sei das nicht, widerspricht der katholische Pfarrer Bernhard Motter von der Gemeinde St. Clara in Neukölln. „Wir Christen glauben an den dreifaltigen Gott. Das ist doch ein anderer Gott als der, zu dem die Muslime beten.“ So sieht es auch die Pröpstin der evangelischen Landeskirche, Friederike von Kirchbach. Eine Nutzung als Moschee komme deshalb nicht in Frage. Aber auch nicht der Einzug einer auf Gewinnmaximierung ausgelegten Sparkasse oder eines Restaurants. Auch das widerspreche dem christlichen „Symbolwert“ einer Kirche.

Stefan Förner, Sprecher des Berliner Erzbistums, will nicht ausschließen, dass irgendwann einmal auch katholische Kirchen an Muslime verkauft werden. Vor 50 Jahren habe man sich auch nicht vorstellen können, eine katholische Kirche an die Orthodoxen oder an eine evangelische Freikirche zu übergeben. Das sei heute üblich, weil sich die Kirchen untereinander angenähert hätten. „Gegenwärtig sind Muslime und Christen noch zu weit voneinander entfernt, aber vielleicht ändert sich das ja und vielleicht ist dann auch ein Verkauf einer Kirche an Muslime nicht mehr ausgeschlossen.“ Im Moment aber sei das wegen des „Symbolcharakters“ dieses Vorgangs ausgeschlossen. Den Verkauf von St. Raphael an die Supermarktkette sei ein „Fehler“ gewesen, gibt Förner unterdessen zu. Die Kirche wurde mittlerweile abgerissen, sie passte nicht ins Konzept des Investors.

Pfarrerin Elisabeth Kruse von der Genezareth-Gemeinde in Neukölln arbeitet seit Jahren mit der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm zusammen. Wenn eine Kirche von einer anderen Religion übernommen werde, die sich den Werten der Menschenrechte und der Gerechtigkeit verpflichtet sehe, habe sie damit „weniger Probleme“, als wenn eine Sparkasse einzieht. Allerdings sei es ein Unterschied, ob die Kirche mitten auf dem Platz stehe oder unauffällig in einer Häuserzeile. Pfarrer Michael Rennenberg von der seit Jahren leerstehenden Reformationskirche in Moabit hätte „nichts dagegen“, seine Kirche an Muslime abzugeben. In Moabit lebten 50 Prozent Muslime, da sei es doch nur natürlich. Die Mehrheit in seiner Gemeinde sei aber dagegen, weshalb auch er sich dafür nie einsetzen werde. Claudia Keller

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