Kirk Douglas wird 100 : Spielzüge eines Stars

Hollywood-Legende Kirk Douglas war oft zu Besuch in Berlin – und nahm gerne Souvenirs mit.

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US-Schauspieler Kirk Douglas erhielt 2001 nicht nur den Ehrenbären der Berlinale, sondern auch einen Spielzeug-ICE. Auch seine Ehefrau Anne (hinten) war dabei.
US-Schauspieler Kirk Douglas erhielt 2001 nicht nur den Ehrenbären der Berlinale, sondern auch einen Spielzeug-ICE. Auch seine...Foto: Reuters

Es kommt nur selten vor, dass Gäste der Berlinale, selbst wenn das ihr eigentlicher Beruf ist, dann auch vor dem Festivalpublikum singen. Die Stones, Neil Young, Madonna – sie liefen über rote Teppiche, gaben Pressekonferenzen, gesungen haben sie nicht. Na gut, Patti Smith hat vor Jahren die Teilnehmer einer Pressekonferenz zur Gitarre mit „My Blakean Year“ erfreut, aber sonst?

Einen freilich gab es, dem hat das Singen auf der Berlinale hörbar Spaß gemacht, erst auf einem Empfang zu seinen Ehren im Sky Garden des Sony Centers, dann bei der Verleihung des Goldenen Ehrenbären 2001 im nahen Berlinale-Palast. Beim ersten Mal „O Tannenbaum“, eigentlich ein Weihnachtslied, obwohl es doch schon Februar war, dann eine Hymne auf Berlin, die hört man hier immer gern, auch wenn sie diesmal nur schwer zu verstehen war: Fünf Jahre zuvor hatte Kirk Douglas einen Schlaganfall erlitten, hatte sich das Sprechen und erst recht das Singen erst wieder mühsam beibringen müssen.

Exakt 100 Jahre alt wird der Schauspieler, letzter Überlebender der alten Hollywood-Garde, an diesem Freitag und wenngleich er in Berlin, anders als in München, nie gedreht hat, so war er hier doch wiederholt zu Gast, hat seine Filme vorgestellt oder Trophäen für sein langes Wirken auf der Leinwand, als Schauspieler, Regisseur und Produzent, abgeholt. So im Februar 1964, als er „Seven Days in May“ präsentierte, einen Politthriller um einen Putschversuch ranghoher US-Militärs gegen ihren Präsidenten. Ob es am Film oder an der Presserunde lag, die während dieses Besuchs Kirk Douglas dazu befragen sollte und sich als sehr maulfaul erwies? Er selbst hat die peinliche Stille allerdings souverän gemeistert und in gutem Deutsch erklärt, dann wolle er sich die Fragen eben selber stellen und auch beantworten.

Drei Jahre nach dem Mauerbau glichen selbst Schauspielerbesuche aus Übersee noch fast Staatsbesuchen. Kirk oder Kennedy – als Botschafter des freien Westens galten beide, zwar hielt der Schauspieler keine Rede vor dem Rathaus Schöneberg, hofiert wurde er dennoch, besuchte nach der Ankunft in Tempelhof selbstverständlich den Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters, stieg zur Freiheitsglocke im Schöneberger Rathaus empor – und ließ sich ohne Murren mit einem Berliner Plüschbären fotografieren.

1975 kam er mit dem Western „Posse“ zurück, seiner ersten Regiearbeit, die auf der Berlinale gezeigt wurde, doch ohne Bären blieb. 1988 stellte er „Der letzte Countdown“ vor, eine Art historisches Science-Fiction-Spektakel, in dem der hochmoderne Flugzeugträger USS Nimitz durch ein Zeitloch ins Jahr 1941 fiel, und zwar am 7. Dezember, dem Tag des Angriffs auf Pearl Harbor. Das hätte die Weltgeschichte verändern können: F-14-Abfangjäger gegen japanische Zeros – das ist wie Scheibenschießen. Doch bevor es zum entscheidenden Showdown kommt, flutscht die Nimitz durch ein neues Zeitloch zurück in die Gegenwart, samt Kirk Douglas als ihrem Kapitän. Pearl Harbor wird bombardiert.

Von seinem Berlin-Besuch 1988 konnte der Schauspieler eine Goldene Kamera mit nach Hause nehmen und 2001 eben einen Goldenen Bären, der ihm vor der Aufführung von Stanley Kubricks „Path of Glory“ überreicht wurde und ihn bewog, erneut seine Deutschkenntnisse unter Beweis zu stellen: „Das erste Wort, dass ich auf Deutsch gelernt habe, war: danke.“ Behoben war die Irritation, die ihn zuvor bei der obligatorischen Pressekonferenz, bei seinem ersten Bärenkontakt, noch befallen hatte. „Das also ist der Goldene Bär?“, hatte er verwundert gefragt. Doch es war nur der goldene Mikrofonaufstecker mit dem Festivallogo vor ihm auf dem Tisch, nicht die Statuette.

Und die Ehrenauszeichnung war nicht die einzige Trophäe, die er von seinem letzten Berlin-Besuch mitnehmen konnte: Bei einem der zahlreichen, stets begeistert gefeierten Auftritte hatte man ihm ein Paket mit einer Modelleisenbahn in die Hand gedrückt, die er erfreut in die Kameras hielt: ein ICE-T, also der mit der Neigetechnik für schnellere Kurvenfahrten, durch die seitliche Aufschrift zum „Kirk Douglas Express“ veredelt. Schade, dass es den real gar nicht gibt.

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