Berlin : Kirmes im Kopf

Ex-Spreepark-Betreiber Witte soll Investor haben. Das Land weiß von nichts

Sabine Beikler

Für den seit Jahren brachliegenden Spreepark im Plänterwald soll es einen Investor geben – das sagt zumindest der frühere Betreiber Norbert Witte. „Ein weltweit agierender Freizeitparkbetreiber hat ein Konzept vorgelegt, das Berlin einen gewaltigen Gewinn bringen würde – und das ohne Witte“, sagte Norbert Witte dem Tagesspiegel mit Galgenhumor. Denn seit der Schließung des Spreeparks 2001 kostet dem Land die Sicherung des 20 Hektar großen Geländes nach Tagesspiegel-Informationen 140 000 Euro pro Jahr. Hinzu kommen ausstehende Erbbaupachtzinsen von 300 000 Euro pro Jahr und elf Millionen Euro, die die Deutsche Bank aus früheren Krediten fordert.

Witte ist nicht das, was man einen seriösen Geschäftsmann nennen könnte: 1997 schloss er mit dem Land einen über 65 Jahre laufenden Erbbaupachtvertrag ab. Doch der Rummelplatz lief nicht gut: Witte setzte sich 2001 in einer Nacht- und-Nebel-Aktion mit sechs Fahrgeschäften nach Peru ab, wo er beruflich auch nicht Fuß fassen konnte und stattdessen 167 Kilogramm Kokain nach Deutschland schmuggeln wollte. Der Drogenhandel flog auf, Witte wurde 2004 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Seit April dieses Jahres ist er auf freiem Fuß und hat eigenen Angaben zufolge eine Firma für gastronomische Einrichtungen. Er wolle sich aus dem „Berliner Schaustellergeschäft“ zurückziehen und hoffe, dass die „Sache mit dem Investor“ bald unter Dach und Fach sei. Von dem ominösen Investor weiß man im Liegenschaftsfonds des Landes nichts. „Aber er kann gerne das Konzept vorstellen“, sagt Sprecherin Irina Dähne. Das Land hofft immer noch, dass für das Gelände im Plänterwald ein Investor gefunden wird. Favorisiert wird eine Mischnutzung aus Freizeit, Wissenschaft, Kongressleben und Wohnen auf Zeit.

Vor kurzem hatte der Insolvenzverwalter die Verwaltung des Geländes wieder an die seit 2003 insolvente Spreepark GmbH mit Wittes Ex-Frau Pia als Eigentümerin übertragen. Rechtlich ist das nicht unüblich, wenn das Verfahren mangels Masse beendet wird: Schulden sind nämlich nicht mehr einzutreiben. Und Geschäfte mit der Familie Witte wird es aus Sicht der Geldgeber nicht mehr geben. „Wir führen momentan Gespräche mit dem Land und prüfen weitere Schritte“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank dazu kurz und knapp. Sabine Beikler

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