Kita-Besuch : Qualität soll Vorrang haben

In Rheinland-Pfalz ist künftig auch der Kita-Besuch für Zweijährige kostenlos. In Berlin ist aber kein weiteres kostenloses Kita-Jahr geplant.

Rheinland-Pfalz steht in Sachen Beitragsfreiheit für die Jüngsten deutschlandweit an der Spitze: Seit Sonntag ist dort auch für Zweijährige der Kita-Besuch kostenlos, Drei- bis Sechsjährige sind schon länger von den Gebühren befreit. In Berlin ist ein viertes Gratisjahr derzeit nicht geplant: „Eine weitergehende Beitragsfreistellung ist im Moment nicht vorgesehen“, teilte ein Sprecher der Bildungsverwaltung auf Anfrage mit.

Momentan sind in Berlin die letzten beiden Kindergartenjahre kostenlos, ab dem kommenden Jahr auch das dritte Jahr – damit können auch Unter-Dreijährige in den Genuss eines kostenlosen Kita-Besuchs kommen. Die drei kostenlosen Jahre werden vom Schulbeginn an rückwärts berechnet – wer mit fünfeinhalb in die Schule kommt, profitiert also schon mit zweieinhalb von dieser Möglichkeit.

Für die Berliner Sozialdemokraten ist die Beitragsfreiheit von der Krippe bis zum Studium ein politisches Ziel, dass die Partei auch in ihrem letzten Parteitagsbeschluss festgehalten hat. „Für die kommenden zwei Jahre ist ein weiteres beitragsfreies Jahr aber nicht geplant“, sagte der Sprecher des Landes- und Fraktionsvorsitzenden Michael Müller dem Tagesspiegel. „Unser Stufenplan sieht neben der Beitragsfreiheit auch qualitative Verbesserungen vor“, verdeutlicht Sandra Scheeres, die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Dazu gehörten unter anderem ein besserer Erzieherschlüssel und eine frühere Freistellung der Leitungskraft.

Auch für Elfi Jantzen (Grüne) und Mieke Senftleben (FDP) ist die Qualitätssicherung wichtiger als ein weiteres beitragsfreies Jahr. „Ich glaube nicht, dass durch dieses Angebot mehr Eltern ihre Kinder in die Kita bringen“, sagte Senftleben. Wichtiger sei eine gute Abstimmung zwischen den Kindergärten und Schulen. Für Burkhard Entrup, den Vorsitzenden des Landeselternausschusses Kita, zeigt die Beitragsfreiheit zwar grundsätzlich, dass „Kitas als Bildungseinrichtungen anerkannt werden“. Auch für ihn habe aber die Qualität Vorrang.

Martina Castello vom Eigenbetrieb Südwest nannte ein zusätzliches freies Kita-Jahr „begrüßenswert“, sieht jedoch auch qualitative Prioritäten: „Viele Eltern würden lieber weiter einen Beitrag zahlen, wenn sie wüssten, dass es dafür strukturelle Verbesserungen gibt.“ rni

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