Berlin : Kita hinter Stacheldraht: Schutz vor Dieben

Rainer W. During

Seit Angehörige des Technischen Hilfswerks am Wochenende Stacheldraht auf dem Zaun befestigt haben, gleicht die Kindertagesstätte an der Griesingerstraße einer Festung. Ein Bewegungsmelder schlägt Alarm, sobald sich ein Fremder von der falschen Seite nähert.

"Das ist wie im Hochsicherheitstrakt" sagt Kita-Leiterin Alrun Schastok. Der Aufwand gilt den kleinen Lieblingen ihrer 90 Schützlinge. Weil Unbekannte in anderthalb Jahren insgesamt sechs Schafe aus dem Garten gestohlen haben, griffen Polizisten vom zuständigen Abschnitt jetzt in privater Initiative zu martialisch anmutenden Mitteln, um dem Treiben der Viehdiebe ein Ende zu setzen. Die Tierhaltung hat in der Integrationstagesstätte, in der behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam betreut werden, Tradition und pädagogische Bedeutung. Es begann vor sechs Jahren mit der Schafzucht, später kamen Kaninchen und Hühner dazu. Dann haben Eltern das ehemalige Kutschpferd "Luzie" dazu gekauft. Die Stute hat inzwischen ihr Fohlen "Klara" geboren.

Die Idylle wurde jäh gestört, als 1999, eine Woche nach Ostern, nächtens das erste Schaf vom Hof der Kita gestohlen wurde. "Erst glaubten wir an einen Einzelfall, doch dann wiederholten sich die Diebstähle in unregelmässigen Abständen", berichtet Alrun Schastok. Binnen zwei Wochen verschwanden Urbock "Romeo" und ein drittes Tier, zwei weitere folgten. Auch als eine Spandauer Firma im vergangenen Sommer den Zaun auf zwei Meter Höhe aufstockte, konnte das die Täter nicht abschrecken. Wenige Woche war auch die trächtige "Nini" weg. "Von der ursprünglichen Herde ist kein Schaf mehr übrig", bedauert die Kita-Chefin, die sich das Motiv nicht erklären kann. Die meisten Tiere seien zu alt oder zu klein gewesen, um sie als Braten zu schlachten.

Dass jetzt wieder ein Schafpärchen im Garten weidet, verdanken die Kindern freundlichen Mitmenschen, die von den Nöten der Kita gehört hatten. Alle Tiere werden jetzt nachts im Stall eingeschlossen. Der von einer Elektrofirma spendierte Bewegungsmelder und der scharfkantige Zaunaufsatz sollen die Diebe zusätzlich abschrecken. Kinder hinter Stacheldraht - auch für Jugendstadträtin Ursula Meys (SPD) eine ungewöhnliche Szenerie. Doch auch aus Sicht der Kommunalpolitikerin eine praktikable Maßnahme, um weitere Diebstähle zu verhindern. Zumal der Bezirksetat keine Mittel für Sicherungseinrichtungen hergibt. Dennoch soll die "Hochsicherheits-Kita" nur eine Zwischenlösung sein. Die Initiatoren suchen bereits nach Sponsoren für Heckenrosen. Deren Dornen pieken empfindlich und könnten den Stacheldraht ersetzen.

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