Kitagebühren : „Nicht repräsentativ“

Eine Studie hat jüngst Berlins Kitagebühren gelobt. Das kommt bei Eltern und Experten nicht gut an.

Laura Wieland/Rita Nikolow
Studie
Alles ok? In einer Studie werden die Berliner Kitas gelobt.-Foto: dpa

In der jüngsten Studie war die Hauptstadt gut weg gekommen: Die Kita-Gebühren gelten im Bundesvergleich als niedrig, es gibt einen Geschwisterrabatt, ein beitragsfreies drittes Kitajahr – und das ergab für Berlin: Platz 18 von 100. Von Eltern und Experten wird die Studie allerdings heftig kritisiert. „Mit diesen offensichtlich unter unrealistischen Bedingungen ermittelten Zahlen wird ein falsches Bild der Kostenbelastung von Eltern erzeugt“, sagt Martin Zorn, Vater zweier Kita-Kinder. So werde die Diskussion in die falsche Richtung gelenkt.

Laut des von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und der Zeitschrift „Eltern“ in Auftrag gegebenen „Kindergartenmonitors“ – wir berichteten – zahlen Berliner Eltern zweier Kinder 701 Euro pro Jahr für eine tägliche Mindestbetreuung von bis zu fünf Stunden. In dieser Kategorie (Durchschnittsverdiener mit einem Jahresbruttoeinkommen von 45 000 Euro) schaffte es die Hauptstadt auf Platz 18. Und Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner sah die Senatspolitik damit bestätigt: Die Studie bescheinige der rot-roten Regierungskoalition sozial ausbalancierte Kita-Gebühren, die die Bezieher kleiner oder mittlerer Einkommen in besonderem Maß berücksichtige.

Im Haushalt von Martin Zorn kommt eine andere Summe heraus: Der zweifache Vater und Durchschnittsverdiener zahlt für die Ganztagsbetreuung des kleineren Kindes in der Kita jährlich rund 1400 Euro und für den Hort des älteren Kindes 460 Euro. „Das macht 1860 Euro pro Jahr – mit Essensbeitrag sogar 2400 Euro!“ sagt Zorn. Die Realität sehe also anders aus als die Studie nahelege. Zu diesem Schluss kommt auch der Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden (DaKS). „Die Studie ist für Berlin nicht besonders repräsentativ“, sagt DaKS-Sprecher Norbert Bender. „Denn sie betrifft nur zwölf Prozent der Kinder.“ Auf die Mindestbetreuung bezogen sei Berlin gegenüber anderen Kommunen tatsächlich relativ günstig. Der Normalfall sei jedoch vielmehr die Ganztagsbetreuung: 56,6 Prozent der Kinder hätten einen Ganztagsplatz (mehr als sieben Stunden) und 31,4 Prozent einen Teilzeitplatz (bis zu sieben Stunden).

„Berlin hat zwar eine sehr differenzierte Einkommenstabelle, nach der die Elternbeiträge berechnet werden“, sagt Bender. „Aber das Problem der Bedarfszuteilung hat sich verschärft.“ So sei es schwieriger geworden, einen Ganz- oder Teilzeitplatz zu bekommen. Vor allem Kinder ausländischer Familien, in denen nicht beide Elternteile arbeiten, bekämen in der Regel nur Halbtagsplätze (bis zu fünf Stunden) zugeteilt.

Dabei bieten die Kitas gerade diesen Kindern die Chance, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. An diesem Punkt setzt auch die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus an. Die Fraktion fordert einen „Kita-Gutschein“, der den Eltern aller Dreijährigen zugeschickt werden soll, und nicht wie bislang erst beantragt werden muss. Durch diesen Gutschein sollen alle Dreijährigen automatisch Anspruch auf einen Teilzeitplatz haben. Auch das Volksbegehren „Kitakinder + Bildung von Anfang an“, das der Landeselternausschuss Kindertagesstätten (LEAK) im März auf den Weg gebracht hat, fordert unter anderem Teilzeitplätze für alle Dreijährigen – für Migrantenkinder sogar schon ab dem zweiten Lebensjahr. „Die Zeit in der Kita ist für die Kinder Bildungszeit“, sagt LEAK-Chef Burkhard Entrup. Bis zu den Sommerferien sollen Unterschriften für das Volksbegehren (www.volksbegehren-kita.de) gesammelt werden.

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