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"Kitas machen schlau" : Kita-Gutschein mit Hindernissen

Die Freischaltung für die Online-Beantragung kann wegen technischer Schwierigkeiten nun doch erst an diesem Donnerstag erfolgen. Ab 10 Uhr soll es soweit sein. Ganz ohne Postweg geht es aber auch künftig nicht. Mit dem Suchportal für freie Kitaplätze geht es voran.

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Kita-Anträge gibt es nun online, nicht mehr auf Papier.
Kita-Anträge gibt es nun online, nicht mehr auf Papier.Foto: dpa

Die Technik spielte dann doch nicht mit: Anders als geplant war die neue Anwendung für die Online-Beantragung des Kita-Gutscheins am Mittwoch noch nicht nutzbar. An diesem Donnerstag soll es aber soweit sein: "Ab 10 Uhr soll es losgehen", kündigte der Sprecher der Senatsverwaltung für Jugend, Ilja Koschembar, auf Nachfrage an. Das Ausdrucken und Ausfüllen des Papiers entfällt, allerdings kommen die Eltern noch nicht ganz um den Postweg herum: "Man muss anschließend das Bestätigungsblatt ausdrucken und unterschrieben wegschicken", erläutert Koschembar das Prozedere. Die entsprechenden Formulare sollen dann unter der Überschrift „Kitas machen schlau“ auf der Homepage der Jugendbehörde leicht zu finden sein.

Bei Kindern über drei Jahren entfällt automatisch die Angabe der Einkommensverhältnisse. „Das Formular ist dynamisch gestaltet und fragt nur diejenigen Informationen ab, die notwendig sind“, erläutert der Sprecher der Jugendverwaltung, Ilja Koschembar, auf Anfrage. Da bei den über dreijährigen Kindern Gebührenfreiheit herrscht, brauchen diese Angaben nicht beigebracht zu werden. Die Eltern der Unterdreijährigen müssen ihre Einkommens- und sonstigen Nachweise wie bisher an die Jugendämter schicken.

„Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, kommentiert Bernd Schwarz vom Landeselternausschuss Kindertagesstätten (LEAK) die Onlinebeantragung. Um die Hürden für bildungsferne Eltern weiter zu senken, hielte es der LEAK allerdings für noch besser, wenn der Kita-Gutschein direkt und ohne Antrag an die Eltern geschickt würde.

Auch beim Onlineportal für die Meldung freier Kitaplätze gibt es einen Fortschritt: In den vergangenen Wochen haben die Kitaträger damit begonnen, freie Kapazitäten einzutragen. So kann man erfahren, dass die Kita „Schillerzwerge“ in Niederschönhausen noch freie Plätze hat oder auch die „Räuberhöhle“ in Prenzlauer Berg. Inzwischen sind online insgesamt knapp 400 freie Plätze in vielen Bezirken zu finden. Das sind allerdings nur fünf bis zehn Prozent der aktuell tatsächlich freien Plätze.

SPD drückt Bußgeld für Eltern schon 2014 durch

„Es wird wohl rund ein Jahr dauern, um das flächendeckend hinzubekommen“, erwartet Bernd Schwarz vom LEAK-Vorstand. Es sei insbesondere für kleine Eltern-Initiativ-Kitas schwierig, solche Datenbanken zu pflegen. Auf allen Veranstaltungen werde allerdings dafür geworben, das die Kitas die Möglichkeit des Online-Verzeichnisses nutzen. Noch gibt es allerdings auch viele große Träger, die sich nicht die Mühe machen, ihre freien Plätze in das Portal einzutragen.

Empört ist der LEAK darüber, dass die SPD-Fraktion in der vergangenen Woche noch überraschend das 2500-Euro-Bußgeld für Eltern durchgesetzt hat, die ihr Kind knapp zwei Jahre vor der Einschulung weder in die Kita noch zum Sprachtest bringen. Diese Verschärfung war eigentlich für 2015 angedacht, und der LEAK hatte gehofft, im Rahmen des „Kita-Dialogs“ mit SPD-Fraktionschef Raed Saleh diese harte Bestrafung noch abwenden zu können.

Verstoß gegen Absprachen zwischen LEAK und SPD

„Man kann sich auf die SPD nicht verlassen“, reagiert der LEAK-Vorstand enttäuscht auf das unerwartete Vorpreschen der Sozialdemokraten. Am Donnerstag soll das neue Bußgeld im Abgeordnetenhaus beschlossen werden. Da der Koalitionspartner CDU im Schulausschuss bereits zugestimmt hatte, wird damit gerechnet, dass die notwenige Mehrheit für das Bußgeld erreicht wird. Schwarz zufolge war zwischen SPD und LEAK besprochen worden, den Abschluss des „Kita-Dialogs“ abzuwarten, bevor Entscheidungen fallen. Dagegen habe die SPD-Fraktion nun verstoßen. Die Fraktion weist diesen Vorwurf von sich, der bildungspolitische Sprecher Ilkin Özisik sagte, es habe solche Absprachen nicht gegeben. Vielmehr habe Berlin keine Zeit zu verlieren, um alle Kinder vor der Schule genug zu fördern.

Kita-Pflicht für Berliner Kinder?
Nach dem Vorstoß zu einer Betreuungspflicht für Kinder ab dem dritten Lebensjahr haben wir Berliner Eltern gefragt, was sie von der Kita-Pflicht halten: Stefanie Wühle (l.) aus Kreuzberg findet die Idee super: "Ich habe ja selbst gemerkt, dass ich den Kindern nach drei Jahren nicht mehr genüge. Die wollen soziale Kontakte, das ist wahnsinnig wichtig. Mit mir haben die sich irgendwann nur noch gelangweilt." Deshalb findet sie auch eine gesetzliche Pflicht in Ordnung. "Es ist ja das beste für die Kinder."Alle Bilder anzeigen
1 von 7Foto: Alexander Haneke
25.07.2013 17:58Nach dem Vorstoß zu einer Betreuungspflicht für Kinder ab dem dritten Lebensjahr haben wir Berliner Eltern gefragt, was sie von...

Wie berichtet, plädiert Saleh für eine Kita-Pflicht, um die Kinder insbesondere aus bildungsfernen Familien besser auf die Schule vorzubereiten. Der LEAK hat sich ebenso wie Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) gegen eine derartige Bevormundung der Eltern ausgesprochen und will stattdessen die immer noch existierenden Hürden vor dem Kitabesuch absenken.

Das neue Online-Portal für den Kita-Gutschein ist ein weiterer Schritt dahin, denn es hat sich gezeigt, dass etliche Eltern noch immer mit der Antragstellung überfordert sind oder überhaupt nicht wissen, dass ihnen in den letzten drei Jahren vor Schulbeginn ein kostenloser Kitaplatz zusteht. Aus diesem Grund plädiert der LEAK auch dafür, die Kita-Gutscheine ohne Antrag einfach zuzusenden.

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