Berlin : Kitas: Senat will trotz Sparplans Neueinstellungen in Tagesstätten

Ole Töns

Notfalls mit Neueinstellungen will der Senat dem von Eltern und Bezirkspolitikern beklagten Mangel an Erzieherinnen und Erziehern in Kindertagesstätten abhelfen. Dies teilte am Freitag die Leiterin des Landesjugendamtes, Ulrike Herpich-Behrends, mit. Mit der Drohung, auslaufende Verträge zum anstehenden Beginn des neuen Kitajahres gegen die Sparbestimmungen des Senats zu verlängern, hatte der Bürgermeister von Tempelhof-Schöneberg, Dieter Hapel (CDU), vergangene Woche im Rat der Bürgermeister für Aufsehen gesorgt. Der Grund für die Personalknappheit: Seit Anfang des Jahres unterliegt der Jugendbereich erstmals auch den Sparbestimmungen des Senats, wonach frei werdende Stellen nur noch aus dem Personalüberhang des Landes neu besetzt werden dürfen.

Doch die Vermittlung aus dem Überhang funktioniert nicht. Laut Hapel kommen viele der angeforderten Erzieherinnen gar nicht erst zu den Vorstellungsgesprächen oder geben andere Gründe an, um nicht in einen anderen Bezirk wechseln zu müssen. Auf diese Weise sind bisher 32 Stellen in den Kitas des Bezirks unbesetzt geblieben. In ganz Berlin sind nach Zahlen des Landesjugendamtes rund 260 Stellen offen, Hapel spricht von fast 300 Stellen. Dem Landesjugendamt liegen schriftliche Klagen aus weiteren Bezirken vor.

Dass die Jugendstadträte vieler Bezirke sich nicht in der Lage sehen, das in der Personalverordnung vorgeschriebene Betreuungsverhältnis in den Kitas aufrecht zu erhalten, ist für auch für die Eltern Anlass zur Sorge. "Bis zu 40 Kinder werden mitunter von einer Person betreut", sagt der Vorsitzende des Landeselternbeirates, Burkhard Entrup. Um über die Auswirkungen der Sparvorgaben und Personalprobleme in den Kitas zu diskutieren, hatten Vertreter des Beirates sich in der vergangenen Woche mit dem Senator für Schule, Jugend und Sport, Klaus Böger (SPD), getroffen. Jetzt ist es laut Herpich-Behrends zu einer Absprache zwischen Senatsjugendverwaltung und der in Personalfragen zuständigen Innenverwaltung gekommen, die auch Neueinstellungen im Kitabereich vorsieht.

In den kommenden Wochen soll demnach zunächst überprüft werden, ob die 250 Erzieherinnen und Erzieher, die derzeit auf der Überhangliste verzeichnet sind, tatsächlich für freie Stellen zur Verfügung stehen. Sollte sich herausstellen, dass Einzelne sich ohne relevante Gründe weigern, eine offene Stelle in einem anderen Bezirk anzunehmen, sind laut Herpich-Behrends auch verhaltensbedingte Kündigungen als letztes Druckmittel vorgesehen. Bleiben dann noch Stellen in den Bezirken offen, sollen neue Leute eingestellt und auslaufende Verträge verlängert werden. Bis Ende September soll das Verfahren abgeschlossen sein. Hintergrund der schwierigen Vermittlung von Kitamitarbeitern aus dem landeseigenen Personalüberhang ist, dass dieser vor allem in den östlichen Bezirken besteht. Als Grund für die mangelnde Bereitschaft, offene Stellen anzunehmen, werden oftmals zu lange Anfahrtswege angegeben. Laut Herpich-Behrends spielen allerdings erfahrungsgemäß auch Vorbehalte aufgrund ursprünglich unterschiedlicher Ausbildungen in Ost und West eine Rolle.

Der Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern ist in den traditionell gut ausgestatteten Ostbezirken unter anderem aufgrund des Geburtenrückgangs stark gesunken. Freie Stellen entstehen dagegen vor allem in den Westbezirken. Zwar ist der Bezirk Mitte mit derzeit 48 unbesetzten Stellen am stärksten betroffen. Diese liegen aber laut Herpich-Behrends vor allem im Wedding und in Tiergarten. Mit jeweils 40 offenen Stellen sind Steglitz-Zehlendorf und Spandau die am zweitstärksten betroffenen Bezirke.

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