Berlin : Kitas: Zahl der Unfälle stark gestiegen

Annekatrin Looss

Die Zahl der Unfälle in den Berliner Kindertagesstätten ist gestiegen. Im vergangenen Jahr erlitten rund 11 500 Kinder während des Aufenthalts in der Kita einen Unfall. Das ist fast jedes zwölfte Kind, wie Wolfgang Atzler, Geschäftsführer der Unfallkasse Berlin, am Dienstag mitteilte. Das bedeutet, dass von 1000 Mädchen und Jungen im vergangenen Jahr 84 verunglückten. Im Vorjahr waren es noch 78.

Als Hauptursache für die steigende Zahl der Unfälle bezeichnete Atzler den zunehmenden Bewegungsmangel der Kinder. "Auch Kleinkinder sitzen teilweise stundenlang vorm Fernseher oder Computer", beklagte Atzler. Diese Kinder seien oft nicht in der Lage, ihre Bewegungen ausreichend zu koordinieren. So entstehe die Mehrzahl der Unfälle durch Hinfallen oder Stoßen. Jedes zweite Kind ziehe sich dabei eine Kopfverletzung zu. Auch die Tatsache, dass Kinder heute zunehmend als behütete Einzelkinder aufwachsen, die soziales Verhalten erst in der Kita lernen, macht Atzler für die steigende Zahl der Unfälle verantwortlich.

Er sieht auch einen Zusammenhang zwischen der Größe der Einrichtungen und der Zahl der Unfälle. Wo besonders viele Kinder zusammenkämen, geschehe auch die Mehrzahl der Unfälle. So führten die typischen Neubaugebiete Hohenschönhausen und Hellersdorf die Unfallstatistik an. Von tausend Kindern verunglückten in Hohenschönhausen 159 und in Hellersdorf 120 bei Unfällen. An dritter Stelle folgt Charlottenburg mit 106 Unfällen pro tausend Kinder. Besonders sicher scheinen die Kitas dagegen in den Bezirken Prenzlauer Berg, Tiergarten und Kreuzberg zu sein. Von tausend Kindern verunglückten hier im Durchschnitt 66. Außerdem ereignen sich laut Atzler in den Kitas freier Träger weniger Unfälle als in städtischen Einrichtungen. Dies liege zum einen daran, dass städtische Kitas meist größer seien als freie, auch scheine die Motivation der Erzieher in den freien Kitas höher zu sein.

In den Berliner Schulen nahm die Zahl der Unfälle dagegen ab. Im Vergleich zu 1999 sank sie von 66 000 auf rund 60 000. An jedem Schultag ereigneten sich an den Schulen durchschnittlich 312 Unfälle. Das seien 28 weniger pro Tag als im Vorjahr, beträfe aber dennoch jeden sechsten Schüler, sagte Atzler weiter. Bei der Mehrzahl der Unfälle handele es sich jedoch nur um leichte Verletzungen wie Prellungen oder Verstauchungen. Nur jede zehnte Verletzung sei ein Knochenbruch. 50 Prozent der Unfälle passierten im Sportunterricht, vorwiegend bei Ballspielen. Auch hier sieht Atzler mangelnde Bewegung als Hauptursache.

"Während früher in der Freizeit Fußball gespielt oder auf Bäume geklettert wurde, sitzen die Kinder heute vorm Fernseher oder spielen mit dem Gameboy", so Atzler. Die Kinder seien entsprechend ungeübt. Überdurchschnittlich viele Unfälle geschehen an den Grundschulen im Ostteil der Stadt. Dafür seien die teilweise maroden Gebäude und Turnhallen, aber auch die im Vergleich zum Westteil weniger strengen Sicherheitsstandards ursächlich. Außerdem sei die Ganztagsbetreuung der Grundschüler im Osten noch wesentlich verbreiteter als im Westen.

Je länger die Kinder in der Schule seien, desto mehr Unfälle passierten dort eben auch. Die Unfallstatistik nach Schultypen führen weiterhin die Hauptschulen an. Hier verunglückten im vergangenen Jahr durchschnittlich 188 Kinder von tausend. An den Gymnasien zogen sich mit 128 Unfällen pro tausend Schüler im Vergleich besonders wenige Jugendliche Verletzungen zu.

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