Berlin : Kitzlige Angelegenheit

Promis müssen planen, deshalb bündeln Veranstalter ihre Gala-Termine. Auch Burda nutzt die Glamour-Synergie – droht aber, „Bambi“ abzuziehen

Matthias Oloew

Seine Worte trafen die Stadt ins Mark: „Bambi braucht Berlin nicht, aber Berlin braucht Bambi.“ Burda-Geschäftsführer Philipp Welte hat das gegenüber der „Welt am Sonntag“gesagt – und er droht so mit dem Wegzug der Preisverleihung aus Berlin. In Sachen Glamour hat Berlin aber einen Standortvorteil, der auch dem Burda-Verlag für seine Gala nutzt: Seit vier Jahren findet die Bambi-Party immer am Tag vor oder nach dem Bundespresseball statt. Für den kommt viel Prominenz nach Berlin, die dann – sozusagen ein Abwasch – auch bei der Bambi-Gala dabei sein kann, und dort ordentlich Glamour in die Zuschauerreihen bringt.

Und noch ein Vorteil bringt diese terminliche Nähe, die Wirtschaftsfachleute Synergie nennen: Sänger, die beim Ball auftreten, können auch den Showteil beim Bambi aufwerten. Oder umgekehrt. Und wenn sie gerade besonders angesagt sind, bekommen sie gleich eines der goldenen Kitze verliehen. Das ist praktisch und vergleichsweise billig. Das weiß auch der Springer-Konzern, der alljährlich, kurz vor Eröffnung der Filmfestspiele im Februar, die „Goldene Kamera“ der Fernsehzeitschrift „Hörzu“ vergibt.

Das nächste Mal ist es am 4. Februar 2003 soweit, wieder im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, zwei Tage, bevor die Berlinale mit ihrem Starrummel loslegt. Diesen Synergie-Effekt gibt zwar keiner der Veranstalter zu, man bestreitet sogar Zusammenhänge, tatsächlich dürfte er nicht uninteressant sein.

Was also bemängelt Burda/Bambi-Chef Philipp Welte? Er wünscht sich mehr Unterstützung durch die Stadt. Das heißt wohl im Klartext: Burda möchte, dass die Stadt eine schöne Halle in zentraler Lage möglichst unentgeltlich zur Verfügung stellt und sich auch an den Kosten der zur Millionen-Euro-Show avancierten Bambi- Verleihung beteiligt. Am Montag war Welte ständig in Konferenzen und zu beschäftigt, um seine Forderungen zu konkretisieren, und auch der Burda-Pressesprecher war nicht in der Lage, näheres dazu zu sagen. Aber Welte wird wissen, dass von der Stadt wohl kaum eine Millionen-Subvention kommen wird, um Leute wie Michael Jackson hierher zu lotsen. Nicht, weil die Berliner keine Stars mögen. Die Berliner lieben Stars. Sondern, weil die Stadt keinen Cent in der Tasche hat.

Vielleicht wäre es schon mit einem glamouröseren Gala-Ambiente getan: das Estrel-Convention-Center in Neukölln befriedigt zwar alle technischen Bedürfnisse, hat aber doch nicht die gleiche Strahlkraft wie das Schauspielhaus zum Beispiel. Und Berlin könnte, nach den Vorstellungen von Burda, den Bambi entsprechend würdigen. Philipp Welte gibt die Marschroute vor: „Bambi spielt jetzt in einer Weltliga mit den Golden Globes und den Oscars“, sagt er. Da staunt so mancher, der die jüngste Bambi-Verleihung noch vor Augen hat und fragt sich erstaunt, ob man das wohl auch in Hollywood und Beverly Hills so sieht.

Die Berliner und der Regierende Bürgermeister vorneweg lassen es dagegen an Freude über die Bambi-Verleihung nicht mangeln. Wowereit lässt sie möglichst nicht aus und die Bilder der Party füllen in den Zeitungen Seiten. Der Bambi passt gut nach Berlin und Berlin passt gut zum Bambi.

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