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Klage gegen Großmarkt in Berlin-Moabit : Streit endet mit Lärmschutz-Kompromiss

Das Verwaltungsgericht ebnete den Weg für einen Kompromiss: Die Hamberger-Großmarkt-Betreiber akzeptieren verbindliche Lärmschutzauflagen. Damit endet ein seit dreieinhalb Jahren anhängiges Gerichtsverfahren.

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Der Hamberger-Großmarkt in Moabit soll im Dezember eröffnet werden.
Der Hamberger-Großmarkt in Moabit soll im Dezember eröffnet werden.Foto: promo

Der Gastro-Großmarkt Hamberger in Moabit kann wie geplant seinen Betrieb aufnehmen. Das Verfahren am Verwaltungsgericht endete mit einer „Lärmschutzauflage“ für die Kühlaggregate auf dem Dach des Marktes, teilte ein Sprecher mit. Damit endete ein lange schwelender Streit mit einem Kompromiss. Rechtsanwalt Karsten Sommer hält die Baugenehmigung aus dem Jahr 2011 für rechtswidrig. Im März 2012 reichte er im Auftrag von Anwohnern Klage ein, jetzt kam es zur mündlichen Verhandlung – der Großmarkt ist allerdings schon fast fertig. Im Dezember soll das kulinarische Warenparadies mit 60 000 Produkten vom Hummer bis zur Gourmet-Olive öffnen.

Kühlanlage auf dem Dach ist zu laut

Die Verfahrensdauer von dreieinhalb Jahren sei für Klagen gegen Bauvorhaben nicht außergewöhnlich, sagte Sommer. Der Großmarkt wurde auf ehemaligem Bahngelände errichtet, statt auf Pappeln und verwilderten Grünflächen schauen die Anwohner nun auf einen langgezogenen, rund elf Meter hohen Betonbau. Auch gegen den künftigen Lieferverkehr richtete sich ihre Klage. Seit 2012 sind die Planungen allerdings mehrfach verändert worden, teilweise zugunsten der Anwohner. Die Zufahrt zum Großmarkt wurde auf eine neu gebaute Straße nördlich des Marktes verlegt.

Bebauungsplan ist noch nicht rechtskräftig

Die massive Betonmauer zur Siemensstraße ist durch Glasflächen unterbrochen. Was die „Bürgerinitiative Siemensstraße“ aber besonders verärgert, ist die Tatsache, dass bis heute kein rechtswirksamer Bebauungsplan besteht. Gegen einen B-Plan wäre eine sogenannte Normenkontrollklage vor dem Oberverwaltungsgericht möglich. Mit diesem Instrument hatten Anwohner des ebenfalls in Moabit gelegenen Schultheiss-Areals einen Bebauungsplan gekippt und wesentliche Änderungen erreichen können.

SPD und CDU unterstützen die Pläne

Die Planungen für den Markt sind vertraglich an den Bau des Moabiter Stadtgartens geknüpft. Weil Hamberger zudem zusicherte, 300 Arbeitsplätze zu schaffen, erhielt er die volle Unterstützung des damaligen SPD-Baustadtrats Ephraim Gothe. Sein Nachfolger Carsten Spallek (CDU) blieb auf dessen Linie. In der Bezirksverordnetenversammlung wurden die Pläne ebenfalls mit knapper Mehrheit befürwortet. SPD und CDU sprachen sich dafür, Linke und Grüne dagegen aus.

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