Berlin : Klamme Katholiken: Schulden trotz Sanierungskurses

Das Erzbistum hat seine Verbindlichkeiten auf 31 Millionen Euro verringert. Weitere Kirchen werden verkauft

Claudia Keller

Das Erzbistum Berlin kämpft weiter mit Schulden und muss Personal abbauen. Die Bankverbindlichkeiten konnten zwar von 114 Millionen im Jahr 2003 auf 31Millionen abgebaut werden, und der Haushalt ist seit zwei Jahren ausgeglichen, sagte Kardinal Georg Sterzinsky gestern. Dennoch ist der Pensionsfonds weiterhin ungedeckt. „Das müssen wir dauerhaft beobachten“, sagte der Kardinal.

Die Unternehmensberatung McKinsey hatte vor vier Jahren den Sanierungsplan für das hoch verschuldete Erzbistum erstellt und prophezeit, dass das Bistum 2008 schuldenfrei ist. Um von dem Schuldenberg herunterzukommen, hatte das Bistum insgesamt 440 Vollzeitstellen abgebaut und durch Fusionen die Zahl der Gemeinden von 210 auf 108 reduziert. Die anderen deutschen Bistümer hatten 30 Millionen Euro dazugegeben, die wohl nicht mehr zurückgezahlt werden müssen. Im Erzbistum Berlin leben 395 000 Katholiken.

Bis Ende 2009 sollen bis zu 130 weitere Vollzeitstellen gestrichen werden. Danach werden sich nur noch wenige Gemeinden Sekretärinnen, Küster und Organisten leisten können. Auch 30 Stellen von Pfarrern, Kaplänen und Gemeindereferenten fallen weg.Einige Pfarreien versuchen, Organisten und Sekretärinnen durch Spenden oder Immobilienverkäufe selbst zu finanzieren.

Insgesamt musste sich das Bistum bislang von 17 Kirchen und Kapellen trennen. Weitere Kirchenverkäufe stehen an. Derzeit werde über den Verkauf der Kreuzberger Kirche St. Agnes und St. Laurentius in Tiergarten verhandelt, sagte der Kardinal. Beide Kirchen sind an andere christliche Gemeinschaften vermietet. Auch von einer Kirche der Gemeinde Heilige Märtyrer von Afrika in Lichtenrade will man sich trennen.

Noch ein weiteres Problem drückt: „Der Mangel an Priestern wird immer schmerzlicher fühlbar“, schreibt Kardinal Sterzinsky in seinem aktuellen Hirtenbrief zur Fastenzeit und fordert die Gläubigen zum „vierzigtägigen Gebet um geistliche Berufungen“ auf. Claudia Keller

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben