Berlin : Klanginstallation im Pumpwerk Wilmersdorf noch bis 29. August

Sonja Bonin

Es blubbert und gluckert, es prasselt und platscht. Im Pumpwerk Wilmersdorf am Hohenzollerndamm empfängt den Besucher ein Gemisch aus Wassergeräuschen und Industrietechnik. Leer, sauber und steril strahlt die blitzblanke Halle aus Glas und Stahl. Der Blick geht fünf Stockwerke tief auf silbern glänzende Riesenpumpen und Ventile, die an ein U-Boot erinnern. Einziger Farbtupfer: ein gelber Kran . Nichts deutet darauf hin, dass hier der wässrige Dreck von Wilmersdorf und Schöneberg zusammenläuft. Das Brummen ist Alltag, das Plätschern Kunst. Götz Lemberg trägt mit einer Klanginstallation zum Kultur-Projekt "Spiel-Räume" bei. (Noch bis 29. August, Fr bis So, 14-20 Uhr; am 28. August bis 24 Uhr.) Nach einem kurzen Rundgang fühlt sich der Skeptiker bestätigt: nicht alles, was "Installation" heißt, besitzt künstlerischen Wert. Ein paar Wassergeräusche im Innern des Gebäudes, Zitate von Goethe bis Laotse im schmalen Glas-Schlauch, der in "Havarie"-Fällen, wie die Pumpwerker das nennen, als Fluchtweg dient. Das Konzept von Lembergs Klangkunstwerk erscheint lieblos. Wer kommt, ist von der Industrie-Romantik des Gebäude-Ensembles beeindruckt. Das eigentlich Faszinierende an diesem Ausflug in die sonntägliche Bürgerruhe sind nämlich die gelungenen Funktionsbauten: in der Glasfassade der neuen Pumpstation spiegelt sich der Backsteinbau des fast hundert Jahre alten Wasserwerks. Dieses prächtige Zeugnis der Industriegeschichte steht unter Denkmalschutz und sollte eigentlich zum Veranstaltungsort für Kultur-Ereignisse umgewandelt werden. Bisher sind die wuchtigen, in den Boden eingelassenen Schwungräder und Pumpen aber nicht zugänglich. Ein Blick hinter die Rundbogen-Fenster wäre eine lohnende Ergänzung des Programms in der Langen Nacht der Museen.

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