Berlin : Klappern gehört zum Unterricht

Schüler gründen Firmen, machen ihre Erfahrungen – und haben mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Katja Gartz

Nach dem Unterricht dringt aus der Küche der Wilhelm-Leuschner-Oberschule lautes Geklapper: Zehn Schüler belegen Brötchen, richten Platten mit Häppchen an und bereiten Salate zu: Für ein Fest ist Verpflegung von „Leuschners Lukult Service“ bestellt. Der Catering-Service ist eine von drei Schülerfirmen an der Spandauer Hauptschule. Hier werden die Schüler zu Unternehmern. Sie erfahren wirtschaftliche Zusammenhänge in der Praxis, lernen, mit anderen Firmen zu kooperieren, selbstständig zu arbeiten und sich im Team auf Mitschüler zu verlassen.

Der Nebeneffekt ihrer Arbeit: Schüler mit Praxiserfahrungen haben deutlich größere Chancen, einen der rar gesäten Ausbildungsplätze zu finden. Um sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten, sind vor allem Hauptschüler auf Zusatzqualifikationen angewiesen. „Wenn man sich mit dem Catering-Service auf einer Veranstaltung vor 600 Leuten präsentiert, bekommt man leichter Kontakte für ein Praktikum oder einen Ausbildungsplatz“, sagt der Neuntklässler Özgür Dikmen.

Gegründet wurden die Schülerfirmen im Rahmen einer Initiative der Deutschen Stiftung für Wirtschaft: Um Schulabsolventen den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern, rief die Stiftung 1999 das bundesweite Projekt „Trans-Job“ ins Leben. Dabei vermittelt sie zwischen Schule und Wirtschaft und realisiert praxisnahe Kooperationen. Unternehmensvertreter ergänzen den Unterricht, Schüler und Auszubildende arbeiten projektbezogen zusammen, Praktika und Berufsinformationstage werden organisiert und Schülerfirmen von Experten in der Praxis begleitet. Auf Seminaren schulen Fachkräfte die Lehrer in Marketing, Buchhaltung und Kommunikation, diese geben ihr Wissen dann im Arbeitslehre-Unterricht an die Schüler weiter. Lehrer und Unternehmer tauschen sich in Workshops aus. Bundesweit arbeiten 15 000 Schüler an 98 Schulen – von der Hauptschule bis zum Gymnasium – mit 250 Unternehmen zusammen, darunter Siemens, Daimler-Chrysler, BMW, Dresdner Bank und mittelständische Betriebe.

„Durch Trans-Job gewinnen Schüler frühzeitig und regelmäßig Einblicke in die Berufswelt, sammeln eigene Erfahrungen und sind zum Ende ihrer Schulzeit gut auf den Einstieg ins Arbeitsleben vorbereitet“, sagt Projektleiterin Silke Gerstenberger. In Berlin nehmen neben der Wilhelm-Leuschner- Oberschule noch fünf weitere Hauptschulen an dem Projekt der Wirtschafts-Stiftung teil. Beispielsweise wurden in der Thomas-Morus-Oberschule in Neukölln eine Foto- und eine Catering-Schülerfirma gegründet, es bestehen Kooperationen mit der Sala-Druck GmbH und dem Unternehmen Bären-Menü. „Die Schüler sind mit ihren Firmen so erfolgreich, dass drei Zehntklässler bereits einen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben“, berichtet der stellvertretende Schulleiter Jürgen Schröder.

In der Bürger-Oberschule in Pankow wurde gar der Arbeitslehre-Unterricht in Praktika umgewandelt: Eineinhalb Jahre lang verbringen die Schüler pro Woche einen Tag in einem Unternehmen. Die Einnahmen der von Schülern geführten Catering- Firma fließen zur Renovierung der Schule in eine ebenfalls von ihnen gegründete Instandsetzungsfirma. Jede an Trans-Job beteiligte Schule erhält pro Jahr 1280 Euro Schulbudget von der Stiftung. Während eines Seminars zum Thema „Schülerfirmen und Existenzgründung“ haben Schüler auch die Gelegenheit, ihre Unternehmen zu präsentieren.

„Ich habe nicht nur viel über Existenzgründung und Kommunikation erfahren, es war auch interessant zu hören, was andere Schulen machen“, berichtet Markus Tober von der Wilhelm-Leuschner-Oberschule.

Das auch vom Bundesbildungsministerium geförderte Trans-Job-Projekt endet im Juli dieses Jahres. Die Schülerfirmen bleiben jedoch bestehen, mit Unterstützung der Lehrer werden sie von den Schülern weitergeführt. Und derzeit laufen Gespräche zur Finanzierung des Folgeprojekts „Trans-Kompetenz“. Auch dieses Projekt soll berufsorientiertes Lernen fördern und insbesondere Hauptschülern die unternehmerische Selbstständigkeit als Alternative näher bringen. „Nachdem wir die Lehrer praxisnah fortgebildet haben, damit diese ihr Wissen im Unterricht weitergeben, werden künftig die Schüler stärker in den Schulungsprozess eingebunden“, kündigt die Trans-Job-Projektleiterin Gerstenberger an.

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