Berlin : "Klasse!": Ein Märchen, an das man glauben muss

Maria Unrau[A],Hermann-Ehlers-Gymnasium[A],Steglitz[A]

Es war einmal ein Mädchen. Es war arm und hatte kein Geld, obwohl es einen großen Schatz besaß. Dieser Schatz war ihre Stimme. Und es war einmal eine Fee. Die Fee fährt jeden Morgen so gegen 9 Uhr zur Arbeit.

Am Alexanderplatz steigt sie von der S-Bahn in die U-Bahn um. Jeden Morgen sieht sie ein junges Mädchen, das in dem Übergangstunnel singt. Jeden Morgen hat sie keine Zeit, dem Mädchen zuzuhören. Sie gibt ihr schnell etwas Kleingeld und denkt: "Morgen werde ich stehen bleiben und diesem Mädchen zuhören!" Am nächsten Morgen geht sie doch wieder vorbei.

Das Mädchen ist eine Russin. Sie ist nach Deutschland gekommen, um Geld zu verdienen. Sie hat eine schöne Stimme. Mit einer solchen Stimme müsste sie eigentlich im Konservatorium studieren und nicht in der U-Bahn singen.

"Sie ist so schön, nicht wahr?"

Trotz ihres großen Interesses an der Musik und trotz ihres Talents hat sie keine Chance, zu studieren, denn sie muss sich selbst und ihre Mutter ernähren. Sie hofft nur, dass jemand, der an ihrer Stimme interessiert sein könnte, ihr das Geld fürs Studium gibt. Jeden Morgen kommt sie in die U-Bahn und nimmt die Gitarre aus dem Futteral heraus. So beginnt ihr Arbeitstag. Sie verdient nicht viel. Aber das ist mehr, als sie in Russland verdienen könnte. An diesem Morgen hat die Fee wieder keine Zeit. Sie geht wie immer die Treppe herunter und - bleibt stehen. Da, wo die schöne Sängerin immer steht, sieht sie jetzt die große Menschenmenge. Sie tritt näher und fragt einen jungen Geschäftsmann mit Laptop: "Ist was los?" Der Mann antwortete erst nach einigen Minuten, als das Lied zu Ende ist: "Sie ist so schön! Nicht wahr?"

Und als das Mädchen mit einem neuen Lied beginnt, öffnet der Mann seinen Laptop und nimmt ihn hoch. Denn - Sie werden es nicht glauben - er weint. Das singende Mädchen aus Russland dreht sich um und sieht, dass viele Leute ihre Taschentücher aus den Taschen nehmen. Sie weinen auch. Die Fee kommt zur Arbeit, und in der ersten Kaffeepause denkt sie nach: "Tja, vielleicht habe ich was verpasst.

Ich ging jeden Tag an ihr vorbei, und habe niemals so viele Leute in ihrer Nähe gesehen, die wegen ihrer Lieder weinten. Und dieser Geschäftsmann, der vielleicht ohne Mitgefühl seine Mitarbeiter feuern kann, der weint heute! Das ist die schönste Seite des Lebens!" Am nächsten Morgen bleibt sie wieder stehen. Es scheint so, als ob dieses russische Mädchen das Eis in den harten Herzen der Geschäftsleute zum Schmelzen gebracht hat. Wieder stehen viele Leute um die Sängerin herum. An diesem Tagen hat sie mehr Geld als je zuvor verdient. Und auch ihr Traum, dass jemand an ihren Liedern und ihrer Stimme Interesse bekommt, ist wahr geworden.

"Das kann nur ein Märchen sein! Das glauben wir nicht!" - sagen Sie, und wahrscheinlich haben Sie recht. Doch das Leben wäre langweilig und uninteressant ohne solche Geschichten, an die man glauben muss.

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