Berlin : Klasse!: Machtspiele für Männer

Swetlana Morosow

Politik? Das Wort verursacht bei mir eine Gänsehaut.

Politik ist etwas für Männer. Die genießen es doch, ihre Kraft und Macht ständig zu beweisen. Frauen brauchen das meistens nicht. Natürlich gibt es immer Ausnahmen. Heutzutage sind auch Frauen emanzipiert. Ich kann aber nicht sagen, dass mich die ganze Politik nicht interessiert. Unser ganzes Leben dreht sich schließlich darum. Ob wir zu Schulen, Ämtern oder einfach nur einkaufen gehen, überall spüren wir ihren Einfluss. Wenn ich zum Beispiel tanken muss, denke ich immer an die Grünen und ihr umweltschützendes Programm.

Aus dem Fernsehen oder aus Zeitungen bekommt man vieles automatisch mit und fängt an, über bestimmte Probleme nachzudenken. Geschäftsleute wiederum sind stark von steigenden Gewerbekosten betroffen - das kann man auch als Schüler gerade noch so nachvollziehen.

Aber im Großen und Ganzen ist Politik so kompliziert und uninteressant für mich, dass ich sogar zwei Gründe nennen kann, warum ich so unerfahren und inkompetent auf diesem Gebiet bin.

Erstens ist es richtig schwer zu verstehen, was Politiker überhaupt wollen. Lange und pausenlos reden, dazu braucht man keine besondere Begabung, aber wenn man über Verantwortung oder Wahrheit reden muss, da werden die Reden plötzlich viel kürzer, und so manches wichtige Problem wird gar nicht öffentlich gemacht - vor einiger Zeit etwa die Gefährdung durch BSE.

Der zweite Grund: Die Anzahl der Menschen, die Tag und Nacht nur von ihrer Karriere und von Geld träumen, ist groß, und die Interessen und Wünsche des Volkes werden darüber manchmal vergessen oder sogar missachtet. Ein Beispiel: die CDUSpendenaffäre.

Ich denke, wenn man sich für ein Politikerleben entschieden hat, muss man wissen, dass Ehrlichkeit und Offenheit auch dazugehören. Mit Politik möchte ich also lieber nichts zu tun haben. Graue Haare und schlaflose Nächte? Nein, danke. Am besten zum Friseur gehen, die Haare schön pflegen lassen und die Nächte, auch wenn sie schlaflos sein sollten, mit einem Mann verbringen, der mit der Politik wenig zu tun hat.

Swetlana Morosow

Politik: das klingt cool und Geld bringend, man denkt, dass das die Art von Beruf ist, bei dem man eigentlich nichts macht und trotzdem sein Geld bekommt. Aber ist es wirklich so? Oder ist es womöglich die schwerste Arbeit der Welt?

Ja, es ist schon klar, dass ein Politiker, insbesondere ein erfolgreicher Politiker, gut lebt und keine Probleme kennt, die mit Geld verbunden sind. Er präsentiert sich im Fernsehen, lädt zu Pressekonferenzen, spricht also viel. Und das ist der entscheidende Punkt.

Wer besser reden, besser überzeugen und nicht überreden kann, wer sich so gut beherrschen kann, dass er nie etwas Falsches sagt oder tut, der wird an die Spitze klettern und sich ein materiell problemloses Leben schaffen.

Es gibt allerdings nur ganz wenige Politiker, die meiner Ansicht nach wirklich so gut sind, dass sie sich durchsetzen. Jeder Mensch, der sein Leben mit Politik verbindet, hat sein ganzes Dasein so organisiert, dass sein Privatleben kein Schwachpunkt ist. Das heißt, dass seine Familie von seinen Gegnern nicht als Mittel für die hinter den Kulissen geführten Spiele verwendet werden kann.

Ist es wirklich so schön, ein Politiker zu sein? Ich glaube nicht! Nehmen wir an, dass ein ziemlich erfolgreicher Politiker einen Fehler gemacht hat, aus Versehen, nicht absichtlich. In diesem Fall beginnen die schrecklichsten Zeiten für ihn. In dieser Situation "helfen" alle Menschen, ihn zu stürzen, um den freien Platz zu bekommen.

Ein Politiker lebt immer im Stress, er hat ständig Angst, etwas Falsches zu machen. Es ist nicht immer möglich, sich so eine Kleinigkeit wie etwa das Ausschlafen zu leisten.

Lohnt sich das Geschäft also wirklich oder soll man es lieber den "Fanatikern" und Karrieristen überlassen? Ja, die meisten sagen oft: "Politik - nein, danke, ich halte mich lieber heraus." Aber es gibt immerhin Leute, die sich für Politik entscheiden, und das ist auch gut, denn gäbe es keine Politiker, würde sich letzlich nie etwas verändern.

Stefan Tischler, Aussiedler-Sonderlehrgang, Hermann-Ehlers-Schule, Steglitz

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