Berlin : "Klasse!"-Projekt: Flucht nach rechts

Lise-Meitner-Schule[11. Klasse]

Es fängt meistens schon sehr früh an, dass Jugendliche durch die Schule, ihr Umfeld oder ihre Freunde in diese Szene rutschen. Aber manche werden auch von ihren Eltern ermutigt. In manchen Schulen kommt es zur Verherrlichung von rechter Propaganda, und an einigen Schulen ist es sogar extrem, wie ältere Schüler jüngere anwerben. Auch in den gängigen Schulbüchern werden bis heute antisemitische Vorurteile und Sichtweisen gehegt und gepflegt. Viele schließen sich der rechten Szene an, da sie ihnen Schutz durch die Gruppe und eine Art Familienatmosphäre geben, die sie oft in ihren Elternhäusern nicht bekommen. In den rechten Gruppen erhalten sie die ihnen sonst versagte Beachtung. Die Jugendlichen sind auch eher zu Gewalttaten bereit, wenn die soziale und politische Situation ihnen keine Zukunftsmöglichkeiten bietet.

Der Alltag jener Jugendlicher sieht meistens so aus, "linke Zecken" zu verprügeln, rechte Musik zu hören, Hass auf Türken und andere Ausländer und Juden aufzubauen. Den meisten dieser Jugendlichen ist eine "starke" Führung durch ihr Elternhaus versagt geblieben, und so ordnen sie sich anderen in den Kameradschaften unter. Denn durch diese werden sie geführt und brauchen selber über ihre Handlungen und nächsten Aktionen nicht nachdenken. Sie kriegen etwas gesagt und folgen dieser Anweisung blind. Die meisten sehnen sich nach Anerkennung.
Friederike Schmidt Lise-Meitner-Schule, 11. Klasse

Kein Politiker hat mal die Position und die Sicht eines Rechtsradikalen eingenommen. Sie haben sich nie überlegt, wie ein Junge zum Rechtsextremen wird.

Ein Rechtsextremer trägt viele innere Verletzungen aus seiner Kindheit mit sich. Eltern geschieden, Vater Alkoholiker, Mutter geschlagen, solche Sachen, die in deutschen Häusern üblich sind. Die Außenwelt kriegt das häufig nicht mit, aber das Kind leidet darunter.

Später, wenn es älter wird, will es seine Vergangenheit loswerden. Der Junge sucht sich Menschen, die das gleiche durchgemacht haben. Er findet sie in einer großen Gruppe. Er will zu ihnen gehören, aber das geht nicht so leicht. Er muss sich zuerst beweisen, indem er einen Türken oder einen Schwarzen schlägt.

Erst dann wird er ein Neonazi. Er fühlt sich aufgehoben. Er fühlt sich in seiner Gruppe geschützt und wichtig. Damit das auch so bleibt, muss er weiter beweisen, dass er dazugehört. Er wird immer aggressiver und beteiligt sich an weiteren Gewalttaten.

Dann ist es soweit, er bekommt lange Nachdenkzeit im Gefängnis. Ihm wird langsam klar, was er angerichtet hat und er versucht nun, alles wieder gut zu machen. Seine Verletzungen aus der Kindheit verheilen vielleicht, aber er hat anderen Schaden zugefügt. Er wechselt wieder die Seiten und wird zum normalen Bürger.
Daniel Schulz
Friedrich-Ebert-Gymnasium

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