Berlin : "Klasse!"-Projekt: Jeder Dritte reagiert ausländerfeindlich

Kurs Politische Weltk,e[12. Klasse<br><br>Andr]

Nach Diskussionen im Unterricht haben Schüler der 12. Klasse des Andreas-Gymnasiums in Friedrichshain eine Umfrage zu den Gründen für die Entstehung rechtsradikaler Überzeugungen bei Jugendlichen erarbeitet.

Bei der Behandlung des Themas der Machtergreifung Hitlers stellte sich uns die Frage, wie die Menschen in Deutschland dazu kamen, sich dem Nationalsozialismus anzuschließen. In diesem Zusammenhang interessierte es uns natürlich zu erfahren, warum auch heute Menschen, insbesondere Jugendliche, mit rechtsradikalen Bewegungen sympathisieren. Daraufhin schlug Herr Altemöller, unser Lehrer für Politische Weltkunde, vor, eine Umfrage zu machen. Grafik: Wären Sie bereit Ausländer vor rechter Gewalt zu schützen? Der Kurs wurde in kleine Gruppen aufgeteilt, die ihre vorbereiteten Fragen zum Rechtsextremismus sowie zur persönlichen Einstellung gegenüber Ausländern in mehreren Schulen, in Freizeiteinrichtungen, im Arbeitsamt Hellersdorf-Marzahn sowie einigen PDS-Abgeordneten stellten. Interessant waren die sehr unterschiedlichen Reaktionen. Während einige die Umfrage vorbehaltlos unterstützten, fanden andere, dass die Fragen zu persönlich waren. Grafik: Warum schließen sich Jugendliche rechten Gruppen an? Auf die Frage "Ertappen Sie sich dabei, ausländerfeindlich zu reagieren?" antworteten von allen Befragten 33,6 Prozent mit Ja oder eher Ja, 63,1 Prozent mit Nein oder eher Nein. Besonders deutlich fiel das Ergebnis bei den PDS-Abgeordneten aus. Hier gaben 70 Prozent der Befragten an, nicht ausländerfeindlich zu reagieren. Von den Schülern sagten dies 64,15 Prozent. 28,7 Prozent erklärten, zu Ausländerfeindlichkeit zu neigen.

So manche interessanten Einblicke ergab die Auswertung der Ergebnisse. So haben die Befragten im Arbeitsamt Hellersdorf-Marzahn eine besonders liberale Einstellung gezeigt. Setzt man voraus, dass die Fragen zum Großteil ehrlich beantwortet wurden, so sticht dieses Ergebnis ins Auge, gelten doch Marzahn und Hellersdorf als Hochburgen der rechtsradikalen Orientierung.

Weiterhin erwiesen sich die Ansichten von Erwerbslosen den Erwartungen entgegen als alles andere als extrem.

Besonders stark scheinen sich radikale Haltungen, rechte sowohl als linke, im Alter von etwa 16 bis 20 Jahren (den Altersstufen der schulischen Sekundarstufe 2 entsprechend) zu manifestieren, wobei unter den Gründen in erster Linie Gruppenzwang und Erziehung aufzuführen sind.

Obwohl uns klar ist, dass unsere Umfrage sich keiner wissenschaftlichen Ausarbeitung rühmen kann, betrachten wir sie doch als eine wertvolle Erfahrung und einen wichtigen Beitrag zur Einschätzung unserer eigenen Anteilnahme an der Frage des Rechtsradikalismus.
Frank Lapp und Viktor Fromm
Kurs Politische Weltkunde, 12. Klasse

Andreas-Oberschule Friedrichshain

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