Berlin : Klassentreffen der Deutschpopper

AUFTRITT DER WOCHE Im Ifa-Sommergarten unterm Funkturm geben sich Wir Sind Helden, Clueso und Ich + Ich das Mikro in die Hand

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Adel Tawil (l.) singt Sonntag ohne Annette Humpe, Judith Holofernes hat am Sonnabend ihre Helden mit und außerdem Clueso (r.) und weitere Kollegen.Fotos: dapd, dpa (2)
Adel Tawil (l.) singt Sonntag ohne Annette Humpe, Judith Holofernes hat am Sonnabend ihre Helden mit und außerdem Clueso (r.) und...Foto: picture alliance / dpa

Der Name ist irreführend, aber daran scheint sich keiner der Beteiligten zu stören. „Die neuen Deutschpoeten“ lautet der Titel des Konzerts, das am Samstag im Ifa-Sommergarten unterm Funkturm steigt. Mit dabei sind unter anderem Wir Sind Helden, Philipp Poisel, Marteria und Clueso. Neu? Wohl eher nicht. An dem Label „Deutschpoeten“ gibt es jedoch nichts zu rütteln.

So kann man die Verdienste von Wir Sind Helden um den deutschen Pop, die deutsche Sprache gar nicht oft genug würdigen. Vergangenes Jahr erschien „Bring mich nach Hause“, das vierte Album der Band. Drei Jahre hatten sich die Musiker dafür Zeit gelassen. Grund genug für einige Zweifler, Bedenken zu äußern. Werden Wir Sind Helden wieder überzeugen können? Bringen sie es überhaupt noch? Wer sich die Platte anhört, der kommt zu dem Schluss: Ja. Frontfrau Judith Holofernes und ihre Kollegen beweisen, dass deutscher Pop beseelt und gewitzt klingen kann, ohne dabei auf Ohrwurm-Qualitäten verzichten zu müssen. In dem Stück „Dramatiker“ singt sie zum Beispiel: „Deine Weste ist zu weiß / warte, ich frag einen Batiker … Dein Weltbild hängt schief / warte, ich frag einen Statiker.“ Wer bei solchen Reimen nicht wenigstens ein bisschen grinsen muss, der hat keinen Humor.

Clueso hat die Kategorie „Sprechgesang“ mittlerweile hinter sich gelassen, längst ist er mehr als nur ein Rapper aus Erfurt. Ein Sänger, Songwriter. Ein Star, der sich auf seinen Ruhm nichts einbildet. Der regelmäßig große Hallen füllt, nur um gleich darauf unangekündigt in der Lobby des Michelberger Hotels in der Warschauer Straße ein kostenloses Spontankonzert für ein paar Dutzend Menschen zu geben. Einfach so. Weil’s ihm Spaß macht. Wenn auf jemanden das Wort „bodenständig“ zutrifft, dann auf ihn. So signierte er die ersten 1000 Exemplare seines im Dezember erschienen Buches „Von und über“ handschriftlich. Wie viel Zeit ihn das gekostet hat? Im Interview schweigt er sich darüber lieber aus. Zuckt stattdessen mit den Schultern und lächelt charmant. Ganz bodenständig halt.

Anders als Clueso scheut sich Annette Humpe vor öffentlichen Auftritten. Nicht weil sie sich dafür zu fein wäre, sondern weil sie jedes Mal von Lampenfieber gequält wird, und das auch nach über 30 Jahren im Pop-Geschäft. Daher wird Humpes Kollege Adel Tawil mal wieder alleine auf der Bühne stehen, wenn für Sonntag Ich + Ich im Ifa-Sommergarten unterm Funkturm angekündigt sind – einen Tag nach den „Deutschpoeten“. An die Solo-Auftritte hat sich der 33-Jährige ohnehin längst gewöhnt. Zumal Humpe im vergangenen Jahr bekannt gab, sich aus dem Projekt vorerst zurückzuziehen. Statt mit ihrem „Ich + Ich“-Partner stand sie kurz darauf mit Max Raabe im Studio. Das Ergebnis: Das gemeinsame Album „Küssen kann man nicht allein“, mit dem Raabe vor einer Woche in der Waldbühne auftrat. Ohne Humpe, versteht sich. Auch Adel Tawil macht nun alleine weiter. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Trübsal blasen wäre für ihn keine Option. Und wer weiß, ob es irgendwann nicht doch noch mal zu einer erneuten Zusammenarbeit zwischen ihm und Humpe kommt. In Interviews hat sie es zumindest nicht kategorisch ausgeschlossen. Sehr zur Freude der zahlreichen Fans von Ich + Ich.

Ifa-Sommergarten, Neue Deutschpoeten, Sa 3.9. (ausverk.), Ich+Ich, So 4.9., 19 Uhr, 35 Euro

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