Berlin : Klassisch? Kulinarisch? oder kindgerecht?

Es gibt so viel zu sehen: Fünf Vorschläge für die Touren durch die Lange Nacht

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Von Wiebke Heiss

Die 12. Lange Nacht steht an und Vater und Mutter vor der Tür? Kein Problem, es empfiehlt sich die klassische Tour. Da geht es um 18 Uhr zum Roten Rathaus, um Klaus Wowereit zu lauschen. Wer noch einen Blick auf dessen Arbeitsstätte werfen will, lässt sich durch das Rathaus führen, bevor es zum Pergamonmuseum geht. Dort, im Vorderasiatischen Museum, gibt’s eine Illuminierung des Ischtar-Tors. Spätestens ab 21.30 Uhr sollte man einen Blick auf den Pergamon-Altar werfen, denn mit einer Licht-Ton-Installation wird dort „Abschied von den Göttern“ genommen. Danach weiter in die Alte Nationalgalerie. Nach einer kurzen Verschnaufpause auf den Stufen des Gebäudes, lässt man sich im Innern in die Geheimnisse der Restaurierung (20, 22, 24 Uhr) einführen. Und später lohnt sich ein Abstecher ins Museum für Naturkunde, um den Dinosaurier zu betrachten und Tango-Musik zu zu hören. Und wenn die Eltern kein Ende finden, dann bieten sich ab 24 Uhr mittelalterliche Gesänge und ab 2 Uhr eine Andacht im Berliner Dom an, um die Nacht ausklingen zu lassen.

Wer Kultur vor allem im Magen spüren will, für den empfiehlt sich die kulinarische Tour. Im Pergamonmuseum wird Wissenswertes über orientalische Kultur durch Herzhaftes aus der arabischen Küche erweitert. Und wer sich schon immer gefragt hat, wie koshere Speisen schmecken: Israelische und jüdische Spezialitäten gibt es im Centrum Judaicum. Tzatziki, Dolmadaikia und andere Spezialitäten der griechischen Kochkunst erwarten die Gäste am Eingang des Kulturforums. Im Ibero-Amerikanischen Institut warten spanische Tapas darauf, verzehrt zu werden. Und keine Angst: das hanfhaltige Büfett im Hanf-Museum soll keine bewusstseinsverändernde Wirkung haben. Falls eine längere Busfahrt hungrig gemacht hat: Asiatische und lateirikanische Speisen gibt es in den Museen Dahlem, russische Kulinarien im Museum Karlshorst und ein Nachkriegs-Imbiss im Anti-Kriegs-Museum.

Für alle, die Kultur hören wollen, ein paar Tipps für eine musikalische Tour: Klassische Kompositionen werden (21, 23, 24, 1 Uhr) in der Friedrichswerderschen Kirche geboten. Im Schauspielhaus sind Stücke von Bach, Liszt, Eben und Vierne beim Mitternachtskonzert zu hören. Der Höhepunkt für Klassikliebhaber: In der Gemäldegalerie spielen die Berliner Symphoniker unter anderem Werke von Bizet, Brahms und Strauß (20, 21 Uhr). Eine Mischung aus Klezmer und Klassik stellt das Duo Chalil im Jüdischen Museum vor (20, 21.30, 22.30 Uhr), wohingegen reine jiddische Festmusik auf der Freifläche im Centrum Judaicum erschallt. Auch Jazzfans können wählen: Dixie-Rhythmen gibt’s von 18 bis 24 Uhr in der sächsischen Landesvertretung und da zur Musik auch das Tanzen gehört, wird in der Sammlung der Deutschen Guggenheim (20, 21.30, 23Uhr) und im Ibero-Amerikanisches Institut (23 Uhr) Flamenco vorgeführt. Selber kann man seine Glieder im ethnologischen Institut ab 23.15 Uhr zu lateinamerikanischem, orientalischem und afrikanischem Rock und Pop bewegen.

Die alternative Tour führt zu Häusern, die ausgefallene Kunstprojekte vorstellen. Die VEAG- Medienfassade dient nach Einbruch der Dunkelheit als 100 qm große Projektionsfläche für den Film „Flora Impact“. Kräftig rot blühende Mohnblumen werden auf das Bürogebäude gestrahlt, um den Kontrast zwischen Natur und Urbanität zu erzeugen. Aktiv beteiligt wird der Besucher im Automobilforum Unter den Linden, wo Künstler mit unterschiedlichen Medientechnologien experimentieren. Wer dort natürliche Pflanzen berührt, kann mithelfen, virtuelles Grünzeug auf einer Leinwand wachsen zu lassen. Sensoren an den echten Pflanzen machen es möglich.

Die Kindertour beginnt die Lange Nacht der Museen im Jagdschloss Grunewald schon um 13 Uhr. Im Waldmuseum gibt es Naturrätsel unter dem Motto „Faszination Wal“ zu lösen. Wer bis Einbruch der Dunkelheit ausharrt, kann auf Nachtspaziergängen den umliegenden Wald erkunden. Im Feuerwehrmuseum können Kinder ab 15 Uhr ihr Talent an Kübel- und Handdruckspritzen prüfen. Biologisch Interessierte stillen im Museum für Naturkunde ihre Neugier und übernehmen dort eine Patenschaft für Krabbeltiere wie Käfer und Heuschrecken, die in Glaskästen aufgespießt sind. Und wer sich schon immer gefragt hat, ob Erwachsene auch mal jung waren, der kann ab 19.30 Uhr in der Sammlung Kindheit und Jugend mal wie zu Uromas Zeiten spielen. Am Kulturforum veranstaltet Jugend im Museum e.V. Rundumprogramm für die Lange Nacht der Kinder. Auf der Bühne gibt’s von 15 bis 21 Uhr Stepptanz, Jonglage, Papierflieger-Wettsegeln, Papiertheater. Beim Trommeln, Haareflechten, Töpfern, Comic-Mal-Wettbewerb kann jeder mitmachen. Und diesmal geht es spät ins Bett: ab 21 Uhr laufen Kinderfilmklassiker im Freiluftkino. Aber bitte nicht auf den Liegestühlen einschlafen.

Tickets? Kein Problem. Bis heute Abend können Karten für die Lange Nacht in den beteiligten Häusern, an Theaterkassen und dem Fullhouse Service Ticket-Shop, Unter den Linden 36-38, gekauft werden. Der Preis: zwölf Euro, ermäßigt acht Euro. Für Kinder bis 12 Jahre ist der Eintritt frei. Kurzentschlossene kaufen ein Ticket ab 17 Uhr vor dem Roten Rathaus. Von heute 15 Uhr bis Sonntag früh fünf Uhr berechtigt das Kombi-Ticket zum Eintritt der beteiligten Häuser und zur Benutzung des Busshuttle-Service (von 18 bis 2 Uhr) sowie von Bussen und Bahnen im Tarifbereich ABC.

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