Berlin : Klassische Momente am Mischpult

Mason Bates ist der jüngste Fellow der American Academy. In Berlin tritt er auch als DJ auf

Nana Heymann

Man könne sich ja in der Ponybar in Mitte treffen, sagt die freundliche Stimme in gebrochenem Deutsch am anderen Ende der Telefonleitung, und noch während Mason Bates von der Atmosphäre des Lokals und der guten Musik dort schwärmt, wird einem schnell klar: Der Mann kennt sich aus in Berlin. Dabei lebt der Komponist und Discjockey erst seit drei Monaten hier.

Ende Januar kam der Amerikaner aus San Francisco hierher, als Stipendiat der American Academy. Als diese ihre Neuankömmlinge in ihrer Villa in Zehlendorf vorstellte, da staunten einige der Anwesenden: Mit gerade mal 28 Jahren ist Mason Bates der jüngste Gast, den die Academy bislang nach Berlin eingeladen hat. Und als die Fellows von ihren Vorhaben für die kommenden Monate erzählten, da wirkte der Nachwuchskünstler fast ein wenig verlegen und deplatziert zwischen all den gesetzten Herrschaften.

Mason Bates ist es gewohnt, sich in Gegenwart anderer behaupten zu müssen. Schon kurz nach Abschluss seines Musikstudiums in New York erhielt der Musiker erste große Aufträge: Er komponierte ein Stück für ein Beethoven-Festival in Phoenix, arbeitete mit dem Philharmonieorchester von Los Angeles zusammen oder gab Klavierkonzerte im ganzen Land.

„Die Menschen erwarten von mir bestimmte Allüren, weil ich noch so jung bin und doch schon sehr viel gemacht habe“, sagt Bates. Aber Allüren hat er nicht. Aufgrund solcher Vorurteile ist die Arbeit mit erfahrenen, zumeist älteren Musikern für den Jungkomponisten zuweilen nicht einfach. Er habe sich ein energisches Auftreten angewöhnen müssen, um sich Respekt zu verschaffen. Wesentlich unkomplizierter sei es da für ihn, sich in der Szene der elektronischen Musik zu bewegen. Der vielseitig interessierte Musikliebhaber ist nämlich auch als DJ im Einsatz.

„Klassische und zeitgenössische Musik haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind stets auf der Suche nach neuen, interessanten Klängen“, sagt Bates. Scheinbar mühelos wandelt er zwischen beiden Welten und zählt den ungarischen Komponisten György Ligeti ebenso zu seinen musikalischen Lieblingen wie das deutsche Elektronik-Duo Mouse on Mars. Wenn man Bates dabei zuhört, wie er über die Möglichkeiten spricht, die sich aus dem Zusammenspiel beider Musikarten ergeben, spürt man die Begeisterung für das musikalische Experiment. In diesen Momenten versteht man auch, warum sich die Klassik in letzter Zeit gerade bei jungen Menschen wachsender Beliebtheit erfreut und warum Künstler wie Gonzales mit seinen selbst komponierten Klavierstücken oder Veranstaltungsreihen wie der „Club Redux“ im Watergate-Club großen Zuspruch erfahren. „Es entsteht eine völlig neue Energie“, sagt Bates.

An zwei neuen Kompositionen hat der Musiktüftler in den vergangenen Wochen gearbeitet, einer klassischen und einer für Orgel und Elektronik. Nebenbei erkundete Bates auch noch die Berliner Club- und Musiklandschaft, knüpfte Kontakte zum Berliner Elektroniklabel „~scape“ oder legte in Clubs wie dem Kinzo auf. Dass er in drei Wochen bereits wieder abreisen wird, bedauert er, obwohl zu Hause schon seine Freundin auf ihn wartet.

Vorher gibt Mason Bates jedoch noch seinen musikalischen Ausstand: Am Mittwoch tritt er um 21 Uhr im Roten Salon der Volksbühne auf. Während Mitglieder der Berliner Philharmoniker seine Stücke spielen, mixt er hinterm Mischpult die elektronischen Einsprengsel.

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