Klaus Dörbandt zum Frühjahrsstart der Schmetterlinge : Die Falter sind wieder da

Schmetterlings-Experte Klaus Dörbandt über die frühesten Frühjahrsfalter, winterharte Flattertiere und höchst seltene Exemplare

Christoph Stollowsky
Der Sumpfwiesen-Perlmuttfalter wurde vom BUND zum Schmetterlings des Jahres 2013 erwählt.
Der Sumpfwiesen-Perlmuttfalter wurde vom BUND zum Schmetterlings des Jahres 2013 erwählt.Foto: dpa

Schmetterlings-Experte Klaus Dörbandt hat sich auf Tagfalter spezialisiert. Er gehört der Entomologischen Gesellschaft „Orion Berlin“ an, in der sich engagierte Insektenkundler zusammengeschlossen haben. Wir sprachen mit ihm über die Schmetterlings-Welt in Berlin und Brandenburg.

Der Frühling ist endlich da. Haben Sie schon erste Schmetterlinge entdeckt?

Ja, ein Zitronenfalter ist schon durch unseren Garten gegaukelt. Zitronenfalter sind die frühesten Schmetterlinge, die alljährlich mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen auftauchen.

Wieso?

Weil sie zu den wenigen Falterarten unserer Region gehören, die als ausgebildete Schmetterlinge überwintern können. So ein Zitronenfalter kann bis zu einem Jahr alt werden. Das ist ein Rekordalter. Alle anderen Tagfalterarten leben maximal zwei bis drei Wochen lang. Der Zitronenfalter schlüpft in der Regel im Juni aus der Puppe, schaukelt dann bis zum Herbst über die Wiesen und überwintert anschließend in Baumritzen, Kellern und anderen Verstecken. Dabei verkraftet er etliche Minusgrade. Im Frühjahr ist er dann rascher wieder da als andere Falterarten, die in früheren Stadien der Metamorphose überwintert haben – als Ei, Raupe oder Puppe.

Sie sagten, es gibt noch andere „Überwinterer“ unter den heimischen Schmetterlingen. Welche Arten sind das?

Zum Beispiel das Pfauenauge, der Kleine Fuchs oder der Trauermantel. Da diese Arten aber eine wesentlich kürzere Lebenszeit haben als der Zitronenfalter, überwintert immer nur die letzte Generation eines Jahres, die irgendwann im Spätherbst aus der Puppe schlüpft. Die noch jungen Falter verfallen alsbald in Winterstarre, was ihr Leben um einige Monate bis zum Frühjahr verlängert. Auch das Pfauenauge oder der Kleine Fuchs werden also in Kürze zu sehen sein.

Wie viele Tagfalterarten gibt es in Berlin und Brandenburg?

Insgesamt etwa 100 Arte. Am häufigsten sieht man allerdings die Zitronenfalter, Pfauenaugen, Füchse oder die verschiedenen Weißlingsarten wie den Kohlweißling. Im April sind in der Regel schon etwa 20 Arten unterwegs. im Mai dann 39 Arten, im Juni 59 und der schmetterlingsreichste Monat ist der Juli. Dann schaukelt unser gesamter Falterreichtum über die Wiesen und durch die Wälder.

Sind Schmetterlingsarten in unserer Region bedroht? Haben sich ihre Lebensbedingungen verschlechtert?

Die Raupen der meisten Tagfalterarten sind jeweils auf ganz wenige oder nur eine einzige Nahrungspflanze spezialisiert. So ernähren sich die Zitronenfalterraupen ausschließlich vom Faulbaumstrauch, der bei uns recht verbreitet ist. Das Pfauenauge dagegen braucht die Brennnessel. Wo solche Nahrungspflanzen ausreichend vorkommen, findet man auch die entsprechenden Schmetterlingsarten. Werden die Pflanzen seltener, verschwinden auch die darauf spezialisierten Falterarten.

Ein Beispiel?

Extrem selten ist der so genannte helle „Ameisen Wiesenknopfbläuling“. Nach den jüngsten Beobachtungen lebt diese Art nur noch auf einer einzigen großen Wiesen im Norden von Berlin. Die Raupen dieses Falters sind auf den in unserer Region kaum mehr vorkommenden Wiesenknopf spezialisiert, ein recht unscheinbares Kraut aus der Familie der Rosengewächse. Und zusätzlich brauchen diese Raupen noch eine bestimmte Ameisenart. Sie fressen sich eine Weile erst am Wiesenknopf satt. Danach kriechen sie in die Ameisenneste und machen sich dort über die Puppen der Ameisen her. Um den Ameisen Wiesenknopfbläuling für die Nachwelt zu bewahren, muss sein letztes Refugium also streng geschützt werden. Wir müssen dafür sorgen, dass die Lebensbedingungen der Raupen erhalten bleiben.

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