Berlin : Klaus Löwitsch: Der Prozess wächst sich zur Schlammschlacht aus

Kerstin Gehrke

Klaus Löwitsch hörte gelassen zu. Zum gestrigen dritten Verhandlungstag waren Zeugen erschienen, die ihm schmeichelten. "Ich kann bezeugen, dass Herr Löwitsch ein äußerst vornehmer Mensch ist. Er weiss, wie man sich zu benehmen hat", sagte Schauspieler-Kollege Dieter Laser. Und aus weiblicher Sicht betonte die Ehefrau dieses Zeugen, dass der Angeklagte "ein absoluter Gentleman" sei. Weniger freundliche Worte fanden Zeugen für die Frau, die Löwitsch wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung vor das Amtsgericht Tiergarten gebracht hat. Die 38-jährige wurde sogar in die Nähe eines "Kantinengroupies" gerückt.

Es sind alles nur Gerüchte. Wahrscheinlich wäre die Frau, über die da nicht gerade schmeichelhaft gesprochen wurde, wutentbrannt oder am Boden zerstört aus dem Gerichtssaal gelaufen. Aber die Witwe war nicht anwesend. Es war Löwitsch-Anwalt Manfred Studier, der das Wort als erster in die Runde warf. Ob man sagen könne, dass Claudia W. ein "Kantinengroupie" sei, fragte er eine Zeugin. Man könne, sagte die Wirtin vom "Emil". Die Richterin reagierte wieder einmal etwas ungehalten: "Das ist mir völlig neu." Was sich dahinter verberge, wollte sie wissen. Genüsslich erklärte Löwitsch. Das seien Frauen, die über den Glanz eines anderen ein Stückchen von diesem Glanz abbekommen wollte, sagte er und wirkte ganz eifrig. Solche Frauen würden sich eben einfach an einen Prominenten hängen.

Es geht um die Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin. Sie hatte dem Gericht berichtet, dass sie von Löwitsch am frühen Morgen des 25. Februar vergangenen Jahres in der Nähe des Deutschen Theaters angegriffen worden sei. Er soll sie in eine Art Würgegriff genommen, mehrfach mit der Hand ins Gesicht geschlagen und sie schließlich sexuell belästigt haben. Am nächsten Tag habe er ihr 2000 Mark angeboten, um die Sache aus der Welt zu schaffen.

Löwitsch und die Frau waren sich in jener Nacht in der Künstlerkneipe "Emil" begegnet. Der Schauspieler, der durch seine Filmrollen wie "Peter Strohm" als Macho der Nation bekannt wurde, saß mit Schauspieler und Regisseur Friedo Solter am Tisch. Es wurde kräftig gezecht. Claudia W. hatte sich zu den Männern gesetzt. Darüber war Löwitsch sauer. Sie behauptete bei der Polizei und vor Gericht, Löwitsch habe ihr bereits im Lokal in den Ausschnitt gefasst. Doch das will niemand gesehen haben. Friedo Solter allerdings sagte: "Seine Hand ging immer rüber, über den Tisch, zum Glas, zu ihr." Deshalb habe er Löwitsch darauf hingewiesen, dass er soetwas bei einer jungen Witwe sein lassen solle.

Schauspieler Dieter Laser war es, der die Richterin völlig aus der Fassung brachte. Ausführlich hatte er, der Löwitsch seit 35 Jahren kennt, über die guten Manieren des Angeklagten gesprochen. Als er trotz Mahnung seinen Redefluss nicht unterbrach, musste er erst einmal den Saal verlassen. Sogar ein Ordnungsgeld wurde ihm angedroht. Löwitsch war nach einem Telefonat mit Claudia W. kurz nach dem mutmaßlichen Vorfall zu Laser gegangen und hatte Rat gesucht. Mit den Worten: "Du, ich glaube, ich bin in eine Falle getreten", habe Löwitsch das Gespräch begonnen, sagte Laser.

Laser und seine Frau erklärten der Richterin, ihnen sei der Verdacht gekommen, dass ihr langjähriger Freund erpresst werden sollte. Löwitsch, der in jener Nacht betrunken im Lokal eingeschlafen war und im Prozess von einem Filmriss gesprochen hatte, könne unmöglich noch zu irgendetwas in der Lage gewesen sein. Er würde sich nach einer Zecherei im Zustand eines "nassen Sackes" befinden, sagte Laser. Ein anderer Zeuge brachte das mutmaßliche Opfer dann wieder in die Nähe einer Frau, von der man gehört habe, dass sie Männerbekanntschaften suche. Als er den Namen des Gerüchtestreuers nicht nennen wollte, wurde dem Zeugen ein Verfahren angedroht.

Am Freitag will das Gericht weitere Zeugen vernehmen. Ob es dann ein Urteil gibt, ist offen.

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