Berlin : Klaus Löwitsch: "Ich bin ein kleiner Mann, sensibel und eitel"

Kerstin Gehrke

Für den Fernsehdetektiv ist der Fall klar: Die Geschichte ist "schlecht", die Rollen sind falsch verteilt. Doch was da vor dem Amtsgericht Tiergarten über die Bühne geht, ist ein Drama. Ob Klaus Löwitsch schuldig ist - oder nicht. "Man beurteilt hier eine Kunstfigur, die es in der Realität nicht gibt", empörte sich der Schauspieler zu Beginn des Prozesses um sexuelle Nötigung und Körperverletzung. Später bei der Vernehmung der Zeugin lachte er kurz auf. Komisch aber war da nichts. Das sagte ihm die Richterin auch. Da gab ihr der Mann mit dem Macho-Image schnell Recht. Ist Klaus Löwitsch ein Mann, der nach viel Alkohol eine Frau schlagen und sexuell belästigen würde? Oder brachte ihn eine Frau vor Gericht, die nicht unterscheiden kann zwischen Fantasie und Wirklichkeit? Es sind drei Frauen, die sich seit Mittwoch darüber ein Bild machen müssen: eine Richterin und zwei Schöffinnen.

Der 65-jährige Löwitsch, der als Charakter für Macho-Typen bekannt wurde, zeigte sich mal genervt, mal locker plaudernd. "Ich bin ein kleiner Mann, sensibel und eitel", sagte er. Nicht besonders hübsch sei er, aber prominent. "Ich würde mich nie einer Frau nähern, wenn sie das nicht möchte", erklärte der Angeklagte und gab seiner rauen Stimme einen beschwörenden Unterton.

Offen sprach er über seine Alkoholprobleme. Seit 1996 habe er nach 23 Jahren Abstinenz "sporadisch" getrunken. "Wenn ich einmal anfange, kann ich aber nicht aufhören." So sei es auch in der fraglichen Nacht im Februar 2000 gewesen, als er mit Kollegen - darunter Regisseur Friedo Solter - in der Kneipe "Emil" in Mitte saß. Eine Dame sei dazu gekommen. Er habe sich wohl über ihr "Gesülze" geärgert und sie beleidigt. Danach sei er betrunken im Lokal eingeschlafen.

Alles hängt nun von der Glaubwürdigkeit der Witwe des DDR-Schauspielers Arno Wyszniewski ab. Als Beruf gab die 38-Jährige "Schauspielerin und Schauspiellehrerin" an. Niemand kenne sie, sagte der Löwitsch-Anwalt. Sie hat kupferfarbenes Haar und eine sehr blasse Haut. Löwitsch hatte erklärt, die Frau habe ihn "überhaupt nicht interessiert". Die Zeugin sagte dagegen, er habe sie bereits im Lokal begrapscht. Als sie dann auf ein Taxi wartete, sei Löwitsch von hinten gekommen. Er habe sie gewürgt und mit der Hand ins Gesicht geschlagen. Mit den Worten "Ihr Ostbräute wollt und braucht das!" habe er ihr zwischen die Beine gefasst. Am nächsten Tag habe er ihr 2000 Mark angeboten. Die Summe hatte Löwitsch tatsächlich gezahlt - angeblich als Entschuldigung für verbale Beleidigungen im Lokal. Im Polizeiprotokoll lesen sich die Details der angeblichen Sex-Attacke etwas anders. Der Verteidiger fragte nach. Die Frau wirkte verstört. "Sie haben einmal von einer Vergewaltigung vor 20 Jahren gesprochen, im Januar von einem Überfall durch zwei Männer", hielt ihr der Anwalt vor. Sie wollte nicht darüber reden, sie weinte. Anwalt Manfred Studier vermutete, dass bei ihr "sexuelle Obsessionen" vorliegen könnten. Löwitsch ist sich sicher, dass er unschuldig ist. "Ich werde hier auf ganz miese Art vorgeführt, um mich gesellschaftlich und beruflich zu ruinieren." Der Prozess wird am 1. Juni fortgesetzt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar