Klaus Wowereit bei Sandra Maischberger : Der Regierende Wellness-Wowi

Klaus Wowereit bei Sandra Maischberger - den Regierenden Bürgermeister von Berlin nach seiner Rücktrittsankündigung in Bedrängnis zu bringen, fiel in der Runde sogar Nikolaus Blome vom "Spiegel" schwer.

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Klaus Wowereit, der Regierende Bürgermeister von Berlin.
Klaus Wowereit scheint sich immer besser zu fühlen, nachdem er seinen Rücktritt als Regierender Bürgermeister von Berlin...Foto: Reuters

Niemand hatte erwartet, dass Klaus Wowereit die letzten Monate seiner Regentschaft in Sack und Asche absolvieren und anschließend auf die Malediven verschwinden würde. Aber erst langsam wird deutlich, dass ihm die ganze Sache auch noch richtig Spaß macht. Am späten Dienstagabend bei Sandra Maischberger in der ARD wirkte er jedenfalls entspannt, war jederzeit Herr der argumentativen Lage, ein echter Wellness-Wowi. Aber das lag auch daran, dass die vier Gäste der Talk-Runde entweder wie Desiree Nick ohnehin an seiner Seite standen, wie Eberhard Diepgen und Wolfgang Kubicki zumindest großes Verständnis für seine Lage äußerten – oder wie Nikolaus Blome vom „Spiegel“ ohne Biss blieben.

Wo sind all die Wowereit-Feinde, die es doch irgendwie zu geben scheint? Einer trat auf, aber es ist bezeichnend, wo er gefunden wurde: Es war ein alter Schnipsel aus Oliver Welkes „Heute-Show“ – beim ZDF. Doch dessen Geschimpfe war dann, wie Satire zumeist, von den Fakten viel zu weit weg, um den Beschimpften erkennbar aus der Ruhe zu bringen: Das sei ja nun typisch für Journalisten, dass sie schlecht recherchierten, und überhaupt: „Wenn es schief geht, ist es immer nur einer“, das sei er ja gewohnt.

Eberhard Diepgen, Nikolaus Blome, Desiree Nick

Eberhard Diepgen hingegen, Wowereits Vorgänger, hat vor allem Verständnis. Er wirkte, als habe er vor 13 Jahren nur mal eben auf die Stopptaste gedrückt: Detailkenntnisse, Spiegelstriche, Argumente, alles da. Er selbst habe die Mühen der Wiedervereinigung auf sich genommen, und Wowereit sei dann der Richtige gewesen, um der vereinigten Stadt auf dem Weg zur glitzernden Metropole voranzustehen. Gut, sagte Diepgen, auf den Generalunternehmer hätte er beim Flughafen nicht verzichtet und wäre vielleicht im Detail ein wenig genauer gewesen, „ich hätte auch mal mit den Gewerkschaften gesprochen, um Informationen zu bekommen“. Aber auch damit gelangte er nicht einmal in die Nähe eines Vorwurfs.

Nikolaus Blome, der privat bereits gewettet hat, dass der Flughafen nie eröffnet wird, versuchte es plakativ, sagte „der Chef haftet!“, löste damit aber auch nur ein paar süffisante Bemerkungen des Chefs aus: Das mit der Nie-Eröffnung sei „durch nichts zu untermauern“. Und auch Blomes Versuch, Wowereit als Verschwender der Milliarden des Länderfinanzausgleichs zu überführen, blieb im Versuchsstadium hängen – diese Debatte kann der Regierende im Schlaf. Viel Verständnis kam weise auch von Kubicki. In der aufgeheizten Medienlandschaft seien zehn Jahre in einem solchen Amt genug. Er riet Wowereit, viel Sport zu treiben, während Diepgen mehr für ein Auslandsjahr plädierte, weil man sich dann nicht so über die Arbeit der Nachfolger ärgere.

Klaus Wowereit: "Ich bleibe in Berlin"

Niemand ging aber so weit wie Desirée Nick, die vom Charme und Charisma Wowereits schwärmte und den Berlinern prophezeite, dass sie sich nach ihm zurücksehnen würden, dass er zur menschlichen Legende werde. (Blome: „Kann er auch übers Wasser gehen?“). Wowereit selbst scheint das nicht vorzuhaben. Am 11. Dezember tritt er vom Amt des Regierenden Bürgermeisters zurück - fünf Tage, nachdem der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheiden will, ob und wie man sich um die Spiele bewirbt. Vielleicht mit Wowereit als Olympiabotschafter? Der wehrte sämtliche Fragen nach seinen weiteren Plänen auch in dieser Sendung ab: „Erstmal kommt: nichts“. Aber er könne sich vorstellen, Moderator zu werden, sagte er – nicht unbedingt erkennbar scherzhaft. Und Berlin generell? Da hat er die leicht gebrauchte, aber intakte Antwort, die er auch schon gegeben habe, als er seinerzeit nach seinen Kanzler-Ambitionen gefragt wurde: „Ich bleibe in Berlin.“


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