Klaus Wowereit : Lächellich

"Kümmert euch um euren eigenen Kram. Denn ich muss jetzt lächeln." - Dirk Gieselmann lässt Wowereits Grinse-Wahlkampf auf sich wirken.

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Klaus Wowereit lächelt unentwegt. Aber es kommt nicht von Herzen.
Klaus Wowereit lächelt unentwegt. Aber es kommt nicht von Herzen.Foto: dapd

Klaus Wowereit lächelt. Zehntausendmal immer das gleiche Lächeln. „Freitag“, lächelt er, „bin ich bei euch am Mehringplatz, im Präventionskiez. Lächelt mit mir, ihr Menschen, die ihr nichts zu lächeln habt.“ Er lächelt, selbst wenn Kleinkinder ihm einen Kuscheldrachen ins Gesicht rammen. Er lächelt in Handy-Cams, durch zähe Wolken billigsten Teenie-Parfums. Er lächelt allein. Oder ist er etwa der Einzige in dieser Stadt, der etwas sagen kann, ohne den Mund aufzumachen? Bei so vielen ist es andersherum. Er lächelt und sagt dabei: „Und das ist auch gut so.“ Alles ist „gut so“, weil es sich eh nicht ändern lässt. Autos brennen, Gleise frieren ein, er lächelt. Es gibt keinen Gott mehr in Berlin, und Wowereit ist sein Prophet.

Renate Künast will die Gouvernante sein, die Berlin endlich zur Vernunft bringt, dieser Stadt etwas austreibt, sie weiß nur noch nicht, was. Aber sie weiß: Da müssen wir ran, und dass wir keinen Spaß machen. Berlin nicht, ihr nicht. Wozu also lächeln? Sie beißt auf die Gouvernantenzitrone, die sie immer dabei hat, bis ihr Mund zuerst ein freudloser Schlitz wird und dann ganz verschwindet. Renate ist sauer, ihr zweiter Vorname ist Elly, was sonst.

Klaus Wowereit aber lächelt. Ein entrücktes Lächeln ist es, ein entrückendes ebenso: Wenn man es zu lange anschaut, vom Rad aus, morgens, fährt man vor den Bus – und lächelt dabei. Es ist ein Lächeln, das Distanz schafft, zu sich, zu der Stadt, zu den Leuten und ihren Problemen, zu der Scheiße und den Scherben auf den Straßen – Distanz, die wie Nähe aussieht. „Ich bin zwar euer Papa“, lächelt Wowereit. „Aber bitte tut mir einen Gefallen: Kümmert euch um euren eigenen Kram. Denn ich muss jetzt lächeln.“

Es ist ein Service-Lächeln, das wohl einzige in der Metropole der angepissten Kellner. Man könnte es an- und ausknipsen, dieses Lächeln. Bei Klaus Wowereit bleibt es an, Tag und Nacht, wie im Bahntower am Potsdamer Platz. Der Schalter ist, wie vieles andere, kaputt. Und das ist, wie vieles andere, „auch gut so“. Sein Lächeln löscht keine brennenden Autos, es taut keine gefrorenen Gleise. Es ist weder kalt noch heiß, es ist temperaturlos, weil es nicht von Herzen kommt, sondern aus dem Hirn des Regierenden Bürgermeisters. Es ist eine Mimik des Geistes und wohldosiert: Wir kriegen es alle. Immer. Wir haben nichts anderes verdient.

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