Berlin : Kleb mir eine

Andreas Conrad

Also bald noch eine Plakette. Vielleicht in Blau? Denn das kann man sich, auch wenn noch niemand davon redet, leicht ausmalen: Flüsterautos ohne entsprechende Aufkleber sind bürokratisch unvollständig, erschweren zudem die Überwachung durchs allgegenwärtige Ordnungsamt und sein emsiges Kontrollpersonal. Das waren noch Zeiten, als eine simple Tüv-Plakette genügte. Auch an die AU-Marke mussten wir uns gewöhnen, an die Anwohnerparkplakette, irgendwann halten wir sogar die dreifarbigen Feinstaubaufkleber für normal, und dann ist noch immer viel Raum am Fahrzeug für dieses oder jenes Umweltpflaster. Früher teilten solche Klebedinger den Mitmenschen mit, wo der Autobesitzer schon überall war, auf Sylt, Usedom oder Rügen, am Gardasee oder in Rom. Künftig zeigen sie vor allem an, wo er, von Paragrafen umzingelt, gerade noch hindarf, bei langsam schrumpfendem Blickfeld, denn die Menge der Marken nimmt weit schneller zu als die Größe der Windschutzscheiben. Immerhin: Es ist eine kleine Rache für die Vignetten, zu denen uns fremde Länder auf ihren Autobahnen zwingen. Kommt jetzt von dort jemand zu Besuch, kleben wir ihm eine.

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