Berlin : Kleider machen Leute

Anne Hathaway stellte „Der Teufel trägt Prada“ vor

Andreas Conrad

Was denn nun? Gerade verdichteten sich die Gerüchte, Benedikt XVI. bevorzuge rote Prada-Schuhe, und nun behauptet so eine junge US-Schauspielerin exakt das Gegenteil: „Der Teufel trägt Prada.“ Jedenfalls repräsentierte Anne Hathaway gestern im Regent-Hotel am Gendarmenmarkt den so betitelten Kinofilm (Start: 12. Oktober) über die glitzernde Welt der Mode, in der sie eine allerliebste Figur macht – ein gar nicht übersinnlicher Engel in der Hölle des Prêt-à-porter. In der herrscht Meryl Streep als Miranda Priestly, autoritäre Chefin eines New Yorker Modeblatts, nachempfunden der „Vogue“-Chefredakteurin Anna Wintour. Hathaway, 23 Jahre alt, wohl bekannt als unwissend-blonde Ehefrau von Jake Gyllenhaal in „Brokeback Mountain“, ist ihre Assistentin, anfangs ein modisches Monstrum, das Geschmack an Schick und Glamour findet und darüber fast seine Seele verliert.

Fragen, wie sie selbst es mit der Mode halte, liegen da nahe, auf der Pressekonferenz wird sie einige als Zitate sehr brauchbare Antworten bereithalten, etwa dass sie in der sechsten Klasse mal einen senfgelben Rollkragenpulli mit Schottenkaro-Blazer kombiniert habe. Nun, diese Fehler sind vergeben, für den Fototermin am Vormittag ist sie in einem schwarzen Kleid mit Puffärmeln und hoher Empiretaille erschienen, die Absätze der schwarzen Pumps gut zehn Zentimeter hoch, doch eher breit als spitz – eine Erscheinung von mädchenhafter Eleganz. Und auch am Nachmittag bei den Interviews kann über ihr Outfit niemand meckern, obwohl es legerer wirkt, Jeans mit breiten Umschlägen, die cremefarbene Bluse mit leichter Folklore-Note, die hochhackigen Pumps diesmal braun. Ja, sie lasse sich schon begeistern von Kleidern, die ihr auf Anhieb gefallen, aber ebenso leicht lässt sie sich von den Fragen auch auf Abwege führen, weg von Prada & Co., nach Nicaragua etwa und zu anderen Benefizaktionen, in denen sie sich seit vier Jahren engagiert – dankbar dafür, wie es ihr selbst ergangen sei, was sie nun, soweit es ihr möglich ist, zurückgeben wolle. Aber dazu ist es ja nun wirklich kein Widerspruch, wenn sie eine Jacke, die sie zufällig gesehen hat und umwerfend fand, unbedingt haben möchte.

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