Berlin : Kleihues und Wall möbeln die Linden auf

MATTHIAS OLOEW

BERLIN .Die Unternehmensgruppe Wall will die Kioske, Telefonhäuschen und Bushaltestellen für den Boulevard Unter den Linden aus eigener Tasche bezahlen.Ein entsprechender Vorschlag ging in der Bauverwaltung von Senator Jürgen Klemann (CDU) ein."Ein interessantes Angebot", sagt Klemanns Sprecherin PetraReetz, das die Verwaltung jetzt prüfen will.Lediglich die Stromanschlüsse für die sogenannten Straßenmöbel gingen auf die Rechnung des Senats.Sponsoren finden sich auch für die Aufstellung der neuen Straßenlaternen, mit der im kommenden Monat begonnen werden soll.

Über die Namen der Sponsoren hüllt sich die Bauverwaltung in Schweigen, mit dabei ist jedoch Peter Dussmann.Die Laternen - Schupmann Kandelaber genannt - sollen auf der gesamten Strecke zwischen Pariser Platz und Schloßbrücke aufgestellt werden.

Ihr Angebot hat die Firma Wall, die wegen ihrer Buswartehäuschen und der City-Toiletten bekannt ist, an keine Bedingungen geknüpft.Gleichwohl wären die Straßenmöbel Unter den Linden ein lohnenswerter Auftrag.Schließlich ist der Boulevard eine prominente Ausstellungsfläche, mit der sich hervorragend auf Firmenprospekten werben ließe.Außerdem ließen sich von den Kiosk-Pächtern und Imbiß-Betreibern genauso Einnahmen erzielen wie durch die Werbeflächen, die in den Häuschen vorgesehen sind.Von der Unternehmensgruppe wollte sich am Mittwoch niemand äußern.

Die Straßenmöbel Unter den Linden: Das sind Bänke, Abfallbehälter, Kioske, Imbißbuden und Buswartehäuschen, die in einem einheitlichen Design gestaltet werden sollen.Um dieses Ziel zu erreichen, hatte der Senat im Februar einen Architektenwettbewerb ausgelobt, den Josef Paul Kleihues für sich entscheiden konnte.Die Entwürfe auf dem Boulevard ähneln dem Design der Straßenmöbelserie "Streetline", die Kleihues wiederum für Wall entwickelt hatte und damit einen in Chicago ausgelobten Designerpreis gewann.Mit "Streetline" möchte die Unternehmensgruppe Wall auch New Yorker Straßen bestücken.

Die Kritik an der Ähnlichkeit zwischen der Produktreihe und den Siegerentwürfen für die Linden bügelte Kleihues knapp mit dem Hinweis ab, jeder Architekt habe eine individuelle Handschrift."Streetline" und die Straßenmöbel für die Linden seien nicht dasselbe.Eine frappierende Ähnlichkeit wird beiden Entwürfen allerdings von der Bauverwaltung bescheinigt.

Dennoch ist das Wall-Angebot für die Straße Unter den Linden verlockend, schließlich ist in den klammen Kassen des Senats eigentlich kein Geld für die Straßenmöbel.Das Bezirksamt Mitte zeigte sich ebenso überrascht von dem Wall-Vorschlag, wie die Bauverwaltung.Kleihues hatte den Wettbewerb der Bauverwaltung für die Straßenmöbel Unter den Linden im Juni gewonnen.Bushaltestellen, Toilettenhäuschen, Kioske und Telefonzellen entwarf er ebenso in einem anthrazit-grünen Farbton wie Abfallbehälter, Bänke und Imbißbuden.114 Architekten aus dem In- und Ausland hatten ihre Entwürfe eingereicht.

Die Jury unter der Leitung des Berliner Architekten Christoph Sattler lobte die Siegerarbeit, weil ihre Elemente "eigenwillig und dennoch nicht aufdringlich" seien, und in einen "Dialog mit den historischen Architekturformen" des Boulevards eintreten.Bisher ging Klemann davon aus, die Straßenmöbel erst nach 2001 aufzustellen, wenn die Bauarbeiten an der Straße und an der geplanten U-Bahn-Linie 5 abgeschlossen sind.

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