Berlin : Klein, stimmgewaltig, streitbar Dagmar Roth-Behrendt kandidiert für die SPD

Ulrich Zawatka-Gerlach

Welch ein hohes Lob des PDS-Kollegen: „Dagmar Roth-Behrendt ist eine der wichtigsten und einflussreichsten Abgeordneten im Europaparlament“, sagt André Brie über die Sozialdemokratin, die seit 1989 in Brüssel und Straßburg Politik macht. Am 13. Juni kandidiert sie wieder – auf Platz 4 der SPD-Bundesliste. Die Berliner Genossen hatten Roth-Behrendt mit 95 Prozent der Stimmen nominiert.

„Impulsiv und äußerst streitbar“ erlebt nicht nur der EU-Abgeordnete Brie die gebürtige Hessin, die in Andalusien zur Schule ging, 1977 nach Berlin kam und dort das Jura-Staatsexamen ablegte. Ihr überbordendes Temperament ist auch auf SPD-Landesparteitagen zu erleben, wo die kleine, aber stimmgewaltige Frau mit fester Hand die Sitzungen leitet. Unter Minderwertigkeitskomplexen leidet sie wahrhaftig nicht. „Ich bin sehr erfolgreich, meine Arbeit ist gut.“ Der CDU-Europaabgeordnete Ingo Schmitt beschreibt die Kollegin als „sehr agil, engagiert und immer in Eile“. Dagmar Roth-Behrendt kenne Gott und die Welt.

Ihre politischen Schwerpunkte: Umwelt-, Verbraucherschutz und Gesundheit. Zum Beispiel hat Roth-Behrendt daran mitgewirkt, dass die Garantiezeit für fehlerhafte Produkte von sechs Monaten auf zwei Jahre verlängert wurde. Sie findet es nur ärgerlich, dass die deutschen Verbraucher von solchen EU-Richtlinien erst erfahren, wenn sie vom Bundestag in nationales Recht umgesetzt werden. Die Arbeit des Europaparlaments finde fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die „platten Vorurteile gegen die angebliche EU-Bürokratie“ mag sie auch nicht mehr hören. Es sei doch ein Quatsch, schimpft Roth-Behrendt, dass sich die EU-Parlamentarier mit dem Krümmungsgrad der Banane beschäftigten. Der Berliner Kandidat der Grünen, Michael Cramer, freut sich auf die Zusammenarbeit. „Unsere Positionen sind ähnlich, sie hat ökologischen Drive.“ Noch konkurrieren beide Kandidaten um knappe Stimmen. Roth-Behrendt hat „große Angst vor einer sehr niedrigen Wahlbeteiligung“. Darin käme die Frustration vieler Bürger gegen das politische Europa zum Ausdruck. „Und das Unwissen.“ Für sie selbst ist Brüssel ein zweites Zuhause. Dort hat sie mit anderen ein Haus gemietet. Eine Woche Brüssel, eine Woche Straßburg, dann wieder zwei Wochen Brüssel und die Wochenenden in Berlin. Ein eigentümlicher Lebensrhythmus – seit nunmehr 15 Jahren.

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