Berlin : Kleine Fluchten für den Rest der Welt

Elisabeth Binder

Nie wird es so wichtig sein, Freizeit sinnvoll zu genießen und auszunutzen wie in den kommenden vier Wochen. Zu Hause ist es natürlich am allerschönsten, da muss man nicht erst anstrengende Anreisen auf sich nehmen. Da hat man auf jeden Fall Ruhe statt Rummel, wenn man sich ein wenig vorbereitet. Falls es in Ihrem Haushalt einschlägig anfällige Mitbewohner gibt, erklären Sie wenigstens ein Zimmer zur fußballfreien Zone. Sollte ein Fernseher drinstehen, bedecken Sie ihn mit einem Tuch, das möglichst nicht die Farben Grün, Weiß, Gelb oder Rot enthält. Ziehen Sie langsam und genüsslich den Stecker aus der Dose, und baden Sie sich im Gefühl einer unendlichen Freiheit, die sich die Massen draußen gar nicht vorstellen können.

Sie haben sich einen Ort geschaffen, an dem man in Mußestunden Dinge tun kann, die man viel zu lange vernachlässigt hat. Mal wieder was von Rilke lesen. Oder von Sophie Kinsella. In dem Band mit den Cartoons aus dem New Yorker blättern. Den „Songs from the Chinese“ von Benjamin Britten lauschen oder der schönen Ballade über Lilienthals Traum, weil mehr fliegt zwischen Himmel und Erde als schwarzweiße Bälle. Hier können Sie originell geformte Snacks naschen, Karotten zum Beispiel, Toblerone oder Gummibärchen. Hagebuttentee trinken. Oder rosa Sekt. Vielleicht mal ein paar Momente lang einfach gar nichts machen.

Dann einen Notizblock zur Hand nehmen, vielleicht den mit den herzförmigen Blättern, und eine Liste aller schönen Dinge aufstellen, die man in den nächsten vier Wochen auch außerhalb der eigenen Wohnung unternehmen könnte. Wir wollen Ihnen dabei helfen und in dieser Rubrik WM-Oasen vorstellen, in denen ein Zeitvertreib, der mit „F“ anfängt und mit „l“ glücklicherweise auch schon endet, nichts zu suchen hat.

Wenn Sie selber einen guten Ort kennen, an dem man sich vom WM-Wahn ganz ungestört erholen kann, schreiben Sie uns bitte: Der Tagesspiegel, Stichwort „Fußballfreie Zone“, Potsdamer Str. 77 - 87, 10785 Berlin oder mailen Sie an fussballfrei@tagesspiegel.de

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