Berlin : Kleiner Bahnhof

Kürzeres Dach, keine Parkhäuser, kein Foyer: Für Züge, U- und S-Bahnen wurde viel geplant – und wenig gebaut

Klaus Kurpjuweit

Halbe Sachen soll man nicht machen, heißt es, aber das hat die Deutsche Bahn in Berlin nicht gehört. Sie baut gleich mehrfach halbe Bahnhöfe: am Hauptbahnhof-Lehrter Bahnhof in Mitte, am S- und Fernbahnhof Papestraße in Tempelhof-Schöneberg und auch in Wedding, wo der jetzige S-Bahnhof Gesundbrunnen auch für Fernzüge ausgebaut wird. Die Anfang der 90er Jahre entwickelten Pläne zum Ausbau des Bahnknotens Berlin waren zu ehrgeizig, gibt man heute bei der Bahn zu. Damals schien das Geld für die aufwändigen Bauten noch vorhanden zu sein. Inzwischen aber muss gespart werden, und so werden die Pläne kräftig abgespeckt. Das gilt auch für die Kanzler-U-Bahn. Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) und die BVG wollen am Pariser Platz nun einen halben U-Bahnhof bauen.

Hauptbahnhof-Lehrter Bahnhof: Am teuersten Bahnhofsneubau überhaupt wurden die Pläne für das Dach um 100 Meter reduziert. Damit wollte Bahnchef Hartmut Mehdorn nicht nur die Ausgaben bremsen. Er wollte damit auch den Bau so beschleunigen, dass die ersten Züge zur Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2006 im unterirdischen Teil halten können. Projektleiter Hany Azer ist überzeugt, dass Mehdorns Vorgaben erfüllt werden können. Der Bau sei im Zeitplan. Kosten wurden übrigens nicht gespart. Die Umplanung für das kürzere Dach, dessen komplizierte Teile schon produziert waren, soll angeblich sogar mehr gekostet haben, als das Dach in seiner ursprünglichen Länge von 430 Meter verschlungen hätte.

Papestraße: Im neuen Bahnhof Papestraße wollte die Bahn ursprünglich zwei Parkhäuser mit Platz für 2671 Autos bauen. Weil das Geld knapp geworden ist, sucht sie nun für den Bau und Betrieb der Parkhäuser über den Gleisen einen privaten Investor. Die förmliche Ausschreibung soll Anfang 2004 erfolgen. Auf eigene Kosten baut die Bahn jetzt über den Bahnsteigen die Betonplatte, auf der später die Parkhäuser entstehen sollen. Findet sich kein Investor für die jeweils vierstöckigen Gebäude, bleibt der Bahnhof ein Torso: Ohne Parkhäuser gäbe es auf der Ringbahn zwar eine neue 184 Meter lange Halle für die Züge der S-Bahn, deren Bahnsteig auch eine Verbindung zwischen Schöneberg und Tempelhof herstellen wird, über den Gleisen der darunter kreuzenden Nord-Süd-Verbindung gäbe es dagegen eine schnöde Betonfläche, nur unterbrochen von einer Öffnung über den Gleisen, durch die Licht zu den Bahnsteigen gelangen soll.

Aber auch von den geplanten drei Fernbahnsteigen werden zunächst nur zwei in Betrieb gehen. Der mittlere soll folgen, wenn die Dresdner Bahn über Lichtenrade Richtung Dresden sowie zum geplanten Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) gebaut wird. Termin: offen. Gestern begann der Bau des neuen S-Bahnsteigs.

Gesundbrunnen: Im Norden der Stadt wollte die Bahn einen Bahnhof mit Geschäften errichten. Doch die Erbauer des benachbarten Gesundbrunnencenters waren schneller. Jetzt reicht das Geld wahrscheinlich nicht mal für ein zweistöckiges Empfangsgebäude, das auf einer neuen Betonplatte über den Gleisen entstehen sollte. Nicht ausgeschlossen ist, dass da nur Container stehen werden.

Pariser Platz: Wenn im fertigen Tunnel für die U5 zwischen dem Hauptbahnhof und dem Brandenburger Tor eine U-Bahn mit Stopp im Bahnhof Reichstag hin und her fahren soll, wie es Stadtentwicklungssenator Strieder plant, müsste unter dem Pariser Platz noch ein Bahnhof gebaut werden. Nach BVG-Plänen würde er nur etwa halb so lang wie üblich, damit ein Zug mit maximal vier statt sechs Wagen halten könnte – passend zu einer der kürzesten U-Bahn-Strecken der Welt. Noch steht die Einigung mit dem Bund dazu allerdings aus.

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