Berlin : Kleiner Spatenstich, große Wirkung

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Schwerstarbeit. Für die einen ist die Baustelle im Herzen Potsdams ein Politikum, für die anderen – ein Sandkasten. Der kleine Michael stahl den Größen aus Politik und Wirtschaft die Schau, als er sein eigenes Stadtschloss-Event veranstaltete. Foto: dpa Foto: dpa
Schwerstarbeit. Für die einen ist die Baustelle im Herzen Potsdams ein Politikum, für die anderen – ein Sandkasten. Der kleine...Foto: dpa

Potsdam - Baustart für den Aufbau des Potsdamer Stadtschlosses: In der brandenburgischen Hauptstadt haben am Donnerstag offiziell die Arbeiten für das künftige Parlamentsgebäude begonnen, das bis 2013 in der Hülle des einstigen Knobelsdorffschen Wahrzeichens auf dem Alten Markt errichtet wird. Endlich verheile „die Narbe in Potsdams Mitte“, sagte Landtagspräsident Gunther Fritsch (SPD). Und Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) schwärmte: „Potsdam erhält den schönsten Platz Europas zurück.“ Zudem komme das bisher „entrückte“ Parlament, das seit 20 Jahren in der früheren SED-Bezirksleitung abseits auf dem Brauhausberg provisorisch untergebracht ist, näher zu den Menschen. „Jetzt kann man sich auf Augenhöhe begegnen“, sagte Platzeck. „Auch bei Demonstrationen.“

Einen Vorgeschmack darauf gab es schon beim symbolischen ersten Spatenstich, den nicht nur 300 Schaulustige verfolgten: Eine Bürgerinitiative protestierte mit Transparenten „Stasi raus“ gegen Platzecks rot-rote Regierung. Unter dem Motto „Freiräume statt Schlossträume“ forderten zwei Dutzend Jugendliche aus der alternativen Szene einen Verzicht auf das Schloss, während sich Aktive von lokalen Schloss-Vereinen mit Zwischenrufen über Abweichungen vom Knobelsdorff-Original beklagten.

Und diese Debatte geht in Potsdam unvermindert weiter, obwohl das Landtagsgebäude durch eine 20-Millionen- Spende von Hasso Plattner doch noch die frühere Schlossfassade und das historische Treppenhaus erhalten soll. Er freue sich besonders für die Potsdamer, die das Schloss in der alten Form wiederhaben wollten, und für die Brandenburger, die ein funktionsgerechtes Parlament bekämen, erklärte Plattner. „Ich hoffe, dass die notwendigen Kompromisse den großartigen Gesamteindruck nicht schmälern.“ Und Kompromisse sind nach Worten des Architekten Peter Kulka aus finanziellen und funktionalen Gründen zwingend: „Wer will etwa schon frieren wie Friedrich der Große?“ Und Linke-Finanzminister Helmut Markov erinnerte in seiner Rede daran, dass es auch in Paris vor dem Bau des Eiffelturms massive Proteste von Intellektuellen gegeben habe. Er sei sicher, dass die Potsdamer „stolz auf das Gebäude“ sein werden, das „moderne und wunderbare alte Architektur“ verbinde. „Es soll eine Lücke schließen, die der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegsentwicklung gerissen haben“. Auf die direkte Verantwortung der SED ging Markov nicht ein, was Unverständnis bei Teilnehmern erregte. Das im Krieg beschädigte Stadtschloss wurde auf Geheiß des SED-Politbüros als preußisches Relikt abgerissen.

Der Schloss-Landtag wird in öffentlich-privater Partnerschaft (ÖPP) von der BAM Deutschland AG errichtet, die es baut und dann 30 Jahre betreibt. BAM-Vorstand Alexander Naujoks, dem Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) die Baugenehmigung überreichte, sprach vom „derzeit spannendsten Bauvorhaben in der Bundesrepublik“. Er versicherte, dass einheimische Firmen Aufträge bei dem 120-Millionen-Vorhaben erhalten werden – was Vertreter des Handwerks zuvor bezweifelt hatten.

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