Berlin : Kleiner Wannsee

Berlins berühmtestes Strandbad wird nun doch saniert – allerdings weniger umfangreich, als zunächst geplant

Claudia Keller,Cay Dobberke

Von Claudia Keller

und Cay Dobberke

Senatoren, Denkmalschützer und der Berliner Bäderchef haben einen Rettungsring für das baufällige Strandbad Wannsee ausgeworfen. Noch im Winter soll mit den Vorbereitungen zur Sanierung begonnen werden. Sie wird allerdings weniger umfangreich ausfallen, als zunächst geplant war. Bäderchef Klaus Lipinsky ist sicher, dass die traditionsreiche Anlage, das größte Binnensee-Bad Europas, bis zur Feier seines 100-jährigen Bestehen im Mai 2007 saniert ist. Das Baden sol auch während der Bauarbeiten möglich sein.

Am Donnerstag hatten sich zum ersten Mal Sportsenator Klaus Böger (SPD), die Stiftung Denkmalschutz Berlin, der Bäderchef und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) zum Krisengipfel getroffen. „Alles wird gut“, sagte Stiftungssprecherin Monika Grütters nach der Sitzung. In den wichtigsten Punkten habe man Einigkeit erzielt. „Die Gespräche sind sehr gut verlaufen“, bestätigte Bäderchef Klaus Lipinsky, und Strieders Sprecherin Petra Reetz teilte mit, der Weg für die Sanierung sei gefunden.

Bis Ende November will die Koalition die Instandsetzung der maroden Gebäude beschließen. „Wenn der Frost vorbei ist, kann die Sanierung losgehen“, sagte Lipinsky. Anfang der Woche hatte die Stiftung Denkmalschutz noch gedroht, sich aus dem Projekt zurückzuziehen, falls das Land und die Bäderbetriebe bis Mitte November keine feste Zusage für die Sanierung geben. Die Stiftung, die auch das Brandenburger Tor saniert hat, will zwölf Millionen Euro privater Sponsorengelder in die Instandsetzung der Altbauten auf dem Strandbadgelände investieren. Damit sind allerdings nicht die Kosten für die Reparaturen der Wasserleitungen und anderer technischer Mängel gedeckt, die ein Gutachter ebenfalls auf bis zu zwölf Millionen Euro geschätzt hat. Die Betonstützen zu sanieren, die den Hang tragen, kostet demnach allein 1,5 Millionen Euro.

Nun wollen die Baubehörde und die Stiftung Denkmalschutz ein neues Gutachten einholen und die Summe „auf das notwendige Maß“ senken, wie Strieder-Sprecherin Reetz ankündigte. Statt der Luxusvariante soll die Nutzungsvariante geprüft werden.

Zum Beispiel seien große Sanitäranlagen nur einmal jährlich für den „Red-Bull-Flugtag“ nötig. „Da kann man auch Dixi-Toiletten aufstellen.“ Außerdem sei man übereingekommen, dass das Bad nicht für 50000 Gäste hergerichtet werden müsse. Man werde sich am Normalbedarf von 10000 Gästen orientieren, sagte Monika Grütters von der Stiftung Denkmalschutz. Für das geschlossene Restaurant „Lido“ will man einen Pächter suchen, der die Räume selber modernisiert. „Es gibt ja viele Interessenten für das Restaurant“, sagte Petra Reetz. Sowohl vor dem Freibad als auch innerhalb des Geländes sollen zusätzliche Parkplätze entstehen – nicht zuletzt für die Lokalbesucher.

Auf dem Krisengipfel wurde außerdem die Idee geboren, bei der Stiftung Naturschutz Geld für die vernachlässigten Liegewiesen oberhalb des Strandbades zu beantragen. Das Gelände liegt im Naturschutzgebiet, sagte Monika Grütters, und man habe erfahren, dass die Stiftung Naturschutz nach einem spektakulären Förderprojekt in Berlin suche. Das passe doch gut zusammen. Für die Hangabstützung will man Fördermittel der Europäischen Union beantragen.

Alle Beteiligten halten es außerdem für einen wichtigen Schritt, dass am Donnerstag beschlossen wurde, die Anlage aus dem Eigentum der Forstverwaltung an die Bäderbetriebe zu übertragen.

Die Stiftung Denkmalschutz habe damit künftig einen festen Ansprechpartner, sagte Bäderchef Lipinsky. Er hofft, dass dadurch die Ausschreibung und Verpachtung von Teilen der Anlage zügiger vorangehe.

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