Berlin : Kleinere Dramen vor der Eröffnung der neuen Bühne

Noch ist die Akustik im Saal nicht perfekt, und die Behinderten-Toiletten sind zu klein

Sabine Schicketanz

Potsdam – Knapp eine Woche vor Eröffnung des 26,5 Millionen Euro teuren Potsdamer Theaterneubaus an der Schiffbauergasse gibt es immer noch Ärger um bauliche Versäumnisse. Die Akustik in dem maximal 469 Zuschauer fassenden Saal sei lediglich „vertretbar“, kritisiert Intendant Uwe Eric Laufenberg. Zudem wurden bei dem Neubau nach einem Entwurf des Architekten Gottfried Böhm DIN-Vorschriften nicht beachtet – dadurch ist das Behinderten-WC nicht behindertengerecht.

Die fünf Premieren an den drei Eröffnungstagen des Hans Otto Theaters vom kommenden Freitag bis Sonntag seien durch die Akustikprobleme zwar nicht gefährdet, eine „endgültige“ Lösung werde es dann aber noch nicht geben, sagt Laufenberg. Dazu müsse bis Anfang Oktober ein Konzept ausgearbeitet werden. Wie viel die Nachbesserungen zur Schalldämmung kosten, sei noch nicht klar. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) immerhin verspricht, die „erforderlichen Mittel“ bereitzustellen. Für die Eröffnungsfeiern wurden provisorisch Schall-Schlucker angebracht.

Bis zum Freitag nicht zu schaffen sei auch der Umbau der Toilette für Behinderte. Diese ist zu eng für Menschen, die einen elektrischen Rollstuhl nutzen müssen. „Dieser Zustand ist so nicht zu akzeptieren“, sagt der Oberbürgermeister. Im Verlaufe der nächsten Wochen werde es eine „definitive Lösung“ geben, kündigt er an. Ob dafür Wände herausgetrennt werden oder die Toilette verlegt wird, sei offen. Funktionalität und Kosten der Vorschläge würden geprüft.

Und drittens bahnt sich eine Auseinandersetzung um den Brandschutz an. Der Technische Direktor des Theaters, Karl-Heinz Krämer, berichtet, wenn alle Forderungen der Feuerwehr umgesetzt werden müssten, sei man „gefesselt“. Einen „Riesen-Eklat“ befürchtet auch der Chef der Potsdamer Bauaufsicht, Markus Beck. Grund sei das Bühnenbild für das Eröffnungsstück „Nathan der Weise“, das direkt unter dem Eisernen Vorhang zwischen Bühne und Publikumsraum platziert sei. Die Versammlungsstättenverordnung schreibe aber vor, dass die eiserne Barriere im Brandfall jederzeit geschlossen werden kann. „Da lassen wir nicht mit uns handeln“, sagt Beck. Die Dekoration müsse anderthalb Meter nach hinten geschoben werden. Dies werde er dem Technischen Direktor des Theaters mitteilen. „Wenn nicht alles stimmt, kann es sein, dass das Stück verschoben oder abgesagt wird“, droht der Chef der Bauaufsicht.

Trotz der Probleme – Oberbürgermeister Jacobs ist sicher, dass der Neubau mit seinen roten Muscheldächern selbst „die letzten Zweifler“ davon überzeuge, dass die Entscheidung für den Standort Schiffbauergasse richtig gewesen sei. Damit gehe ein 50-jähriges Provisorium für das Potsdamer Theater endlich zu Ende und die Kultur werde in der Stadt „sichtbar und erlebbar“.

Das Interesse der Potsdamer an dem Neubau hält sich aber bis jetzt in Grenzen. Abgesehen von den ausverkauften Eröffnungsvorstellungen seien für den Oktober erst 60 Prozent der Karten verkauft – für alle Inszenierungen gebe es noch Tickets, sagt Intendant Laufenberg. Dies finde er „verblüffend“, er habe mit einem größeren Ansturm gerechnet. Laufenberg verwies aber darauf, dass das Hans Otto Theater in der vergangenen Saison eine Auslastung von 93 Prozent verzeichnete – das entspricht 98 000 Besuchern. Die Finanzkalkulation sieht für das Jahr 2010 rund 140 000 Zuschauer vor – dann soll die Bühne 17 Prozent seiner Ausgaben selbst erwirtschaften. 2005 lag diese Quote bei 12,6 Prozent. Bisher bekommt das Theater 8,3 Millionen Euro pro Jahr von Stadt und Land.

Das 14 Jahre genutzte Theater-Provisorium „Blechbüchse“ auf dem Alten Markt wird nun verkauft – höchstwahrscheinlich in die kroatische Stadt Zagreb. Das dortige Kulturamt wolle den Bau für ein Festival nutzen, berichtet Laufenberg.

Von Freitag an soll die Anreise zur Schiffbauergasse dann auch per Schiff möglich sein. Zunächst bis zum 16. Oktober ist die „Wasserlinie 1“ in Betrieb, die täglich siebenmal von 14.15 Uhr bis Mitternacht vom Anleger am Hauptbahnhof zur Schiffbauergasse fährt – inklusive Rundfahrt über den Tiefen See – und von 15 Uhr bis Mitternacht ebenfalls siebenmal in die andere Richtung. Die einfache Fahrt kostet drei Euro, hin und zurück fünf Euro.

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