Kleinkind fährt Mercedes : "Wenn das ein Zweijähriger geschafft hat, ist es wirklich spektakulär"

Am Sonntag soll ein Zweijähriger mit der Mercedes C-Klasse seines Vaters gefahren sein - Firmensprecher Steffen Schierholz wundert sich, wie das wohl gehen konnte.

Vinzenz Greiner
Hier wird ein Lenkrad umgebaut. Das soll bei dem Wagen, in dem das Kleinkind unterwegs war, aber nicht der Fall gewesen sein.
Hier wird ein Lenkrad umgebaut. Das soll bei dem Wagen, in dem das Kleinkind unterwegs war, aber nicht der Fall gewesen sein.Foto: dpa

Am Wochenende hat sich ein Zweijähriger in eine C-Klasse gesetzt und ist damit angeblich aus einer Parkbucht gerollt. So schildern es die Eltern. Eine Kindersicherung hat der Wagen offenbar nicht, oder?


Natürlich sind Kindersicherungen eingebaut. Zum Beispiel stoppen die automatischen Seitenheber, wenn sie auf einen Widerstand stoßen. Aber eine spezielle Kindersicherung, die verhindert, dass ein Kind einen Wagen startet, gibt es nicht.

Der Fahrersitz war nach vorne geschoben. Reicht denn die Kraft eines Kleinkindes aus, um den Sitz zu verstellen?

Wenn es sich um eine manuelle Sitzverstellung handelt, auf keinen Fall. Sie müssen dafür mit der rechten Hand unter den Sitz greifen, einen Hebel ziehen und den Sitz mit dem eigenen Gewicht nach vorne rücken. Bei einer elektrischen Sitzverstellung ist es anders: Sobald die Zündung an ist, braucht man nur noch einen Knopf drücken, und der Sitz verstellt sich.

Das Kind könnte die Wagentür mit einer Fernbedienung geöffnet haben, sagt die Polizei. Kann ein Kleinkind den Zündschlüssel einfach so herumdrehen?

Steffen Schierholz, 41, ist Sprecher bei Daimler-Benz.
Steffen Schierholz, 41, ist Sprecher bei Daimler-Benz.Foto: privat


Viel Kraft braucht man nicht dafür – aber eine gehörige Portion Geschick. Aber selbst dann gibt es ja noch das Problem mit der Handbremse und dem Schalten.Den Sitz verstellen, den Zündschlüssel einstecken, den Wagen anlassen und dann noch die Kupplung kommen lassen: Wenn das ein Zweijähriger geschafft hat, ist das wirklich spektakulär. Wenn er die Kupplung nicht hätte kommen lassen, wäre der Wagen ganz einfach abgesoffen.

Sie halten die Geschichte für unrealistisch?

Ich kenne den Hergang nicht genau. Aber wenn eine Ferndiagnose erlaubt ist: Ich kann mir wirklich nur schwer vorstellen, dass ein Zweijähriger das schaffen konnte. Mein Rat an alle Eltern: Die beste Kindersicherung ist immer, den Autoschlüssel niemals in Kinderhände zu geben.

Die Fragen stellte Vinzenz Greiner.

Steffen Schierholz

ist bei Daimler Benz Sprecher für die Baureihen C, E und CLS. Mit einem Wagen der C-Klasse soll ein Zweijähriger aus einer Parklücke gefahren sein.

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